Auszeichnung Tomi Ungerer trägt Professoren-Titel

Tomi Ungerer.
Tomi Ungerer. © Foto: Tomi Ungerer (r.) Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg
Bettina Wieselmann 12.10.2018

„Diese Ehre ist schon etwas ironisch“, freut sich der Spötter Tomi Ungerer am Mittwochabend im Runden Saal des Staatsministeriums, schließlich habe er nicht einmal Abitur. Doch als der Hausherr dem „großartigen Künstler und außergewöhnlichen Menschen“ kurz darauf vor kleiner Runde den Ehrentitel „Professor“ verleiht, „Sie haben allen etwas zu sagen“, nimmt der fast 87-jährige elsässische Grafiker und Autor die Auszeichnung strahlend entgegen: „Das ist wirklich ein Plaisir, mein lieber Winfried.“

Hager, ganz in schwarz gekleidet und körperlich eingestandenermaßen angeschlagen –„desto besser geht es mit dem Kopf“ – dankt Ungerer herzlich für die Auszeichnung. Dass der Ministerpräsident einerseits das Verdikt von Ungerers Lehrer in seine Laudatio aufnahm – der hatte dem Schüler einen „perversen, subversiven Charakter“ attestiert –, ihn andererseits einen „Lausbub“ nannte, gefiel ihm sichtlich. Auch dass „mein lieber Freund Erwin“ (Teufel) genauso wie der Künzelsauer Kunstmäzen Reinhold Würth gekommen waren. In dessen Haller Museum habe er 2010 „die schönste Ausstellung meines Lebens“ gehabt.

Weit mehr als hundert Bücher für Kinder wie Erwachsene und Zehntausende Zeichnungen, Collagen, Lithografien, Objekte hat der in Irland und Straßburg lebende Künstler gefertigt. Sehr oft in provozierender Absicht, Verlogenheit wie Heuchelei aufspießend. Was ihm Zuschreibungen wie „der Revolutionär im Kinderzimmer“ oder „der böse Menschenfreund“ eintrug. Seine Mission sei klar, sagt er: Gegen Unrecht und Gewalt kämpfe er und als Elsässer zumal für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, „da war ich sehr, sehr tüchtig.“ Als Zyniker mag er sich nicht sehen: „Ich bin Realist.“

Düster die Prognose des bei allem Witz unter Weltschmerz  Leidenden: „Unsere Probleme können wir nicht mehr ändern, es ist nicht höchste Zeit, es ist zu spät.“ Um dann, das Rotweinglas schwenkend, der Runde munter zuzurufen: „Salu, schaffet’s noch guet.“ Was hatte sich Kretschmann gewünscht: „Bleiben Sie anders!“ 

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