Stuttgart Tauben auf dem Vormarsch

Im aktuellen Stuttgarter Doppelhaushalt stehen 120 000 Euro zur Bekämpfung der Taubenplage bereit.
Im aktuellen Stuttgarter Doppelhaushalt stehen 120 000 Euro zur Bekämpfung der Taubenplage bereit. © Foto: dpa
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 10.02.2015
Zum Markusplatz in Venedig mögen sie gehören, in Stuttgart aber haben sich Tauben zu einer regelrechten Plage entwickelt. Die Stadtverwaltung geht dagegen mit Eierattrappen vor.

Jüngst hat das vermehrte Auftreten von Tauben im Hauptbahnhof wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Tiere spazieren nicht nur auf dem Boden herum, sie setzen sich auch auf Tabletts, und sogar in den Auslagen mancher Imbisse sind sie von Passanten beobachtet worden. Die Stadt versucht einiges, um die Probleme mit den Vögeln in den Griff zu bekommen.

In Stuttgart ist Silvie Brucklacher-Gunzenhäuser die ehrenamtliche Taubenbeauftragte der Stadtverwaltung. "Wir wollen die Tiere von der Straße wegbringen", sagt sie. Und deshalb setzt die Kommune seit Jahren auf Taubenschläge, die die Vögel anlocken sollen. Davon gibt es aktuell sechs in der Stadt sowie einen Taubenturm im Stadtgarten bei der Universität. Seit 2009 sind rund 9000 Eier gegen entsprechende Plastikattrappen ausgetauscht worden. So wird der Nachwuchs verhindert. "Das ist der einzige Weg, um die Population einzuschränken", sagt Brucklacher-Gunzenhäuser.

Etwa 30.000 Tauben, schätzt die Stadtverwaltung, leben im Stuttgarter Talkessel. Pro Taube müssen jährlich zwölf Kilogramm Nasskot entsorgt werden. Der greift vor allem die Fassaden von Gebäuden an, so ein Sprecher der Stadtverwaltung. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen 120.000 Euro zur Verfügung, um dem Problem Herr zu werden. Damit wird unter anderem eine halbe Stelle finanziert, um geeignete Standorte für weitere Taubenschläge zu finden.

Rund 20 Taubenschläge seien noch notwendig, so die Einschätzung von Brucklacher-Gunzenhäuser. Aber um jeden Standort müsse man kämpfen. Oftmals machen Anwohner Front dagegen. Der erste Taubenschlag war im Hauptbahnhof. Der musste aber im Zuge der Arbeiten für Stuttgart 21 aufgegeben werden. Rund zwei Jahre habe es gedauert, bis ein neuer Platz in 300 Meter Entfernung gefunden worden sei, so die Beauftragte weiter. Ein großer Taubenschlag befindet sich auch im Dach in der Leonhardskirche. Er wird von einem Ehrenamtlichen betreut.

Das Taubenfüttern ist in Stuttgart wie in vielen anderen Städten per Polizeiverordnung verboten. Mit einer Ausnahme: "Das Fütterungsverbot für verwilderte Haustauben und Wildtauben sowie das Verbot des Auslegens von Futter, das für verwilderte Haustauben bestimmt ist, gilt nicht für die vom Tierschutzverein eingerichteten und betreuten Taubenschläge", heißt es in der Verordnung. 2013 und 2014 wurden in Stuttgart in 40 Fällen Bußgelder verhängt, wie ein Sprecher der Stadt berichtet.

Oftmals geht die vermeintliche Tierliebe auch seltsame Wege: Das Verwaltungsgericht Stuttgart wies 2014 die Klage einer Vogelliebhaberin ab, die sich ein Recht auf Taubenfüttern in der Landeshauptstadt erstreiten wollte - die Frau musste schon häufiger Bußgelder deswegen bezahlen. Mit dem bestehenden Verbot könnten die Anzahl der Tauben und somit auch die Gesundheitsgefahren verringert werden, begründete das Gericht die Ablehnung der Klage. Mit seiner Einschätzung stand das Verwaltungsgericht nicht allein da: Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim hatte bereits 2005 ein vergleichbares Taubenfütterungsverbot der Stadt Mannheim bestätigt.

Langzeitarbeitslose kümmern sich um die Tiere

Taubenwarte Seit Juni 2009 gibt es bei der Caritas Stuttgart ein Tauben-Projekt. Dabei kümmern sich Langzeitarbeitslose um verwilderte Haustauben, zur Zeit am Hauptbahnhof und an der Leonhardskirche. So sollen die Population eingedämmt und kranke Tiere versorgt werden. Derzeit gibt es sechs Taubenwarte, die sich dreimal pro Woche für zwei Stunden um die Tiere kümmern und die Taubenhäuser säubern. Fachkundige Hilfe erhalten die Taubenpfleger von Paten des Tierschutzvereins. Die Stadt begleitet das Projekt ebenfalls.

 

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