37 000 junge Menschen bis 26 Jahre sind in Deutschland obdachlos, schätzt das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Den typischen Obdachlosen gibt es aber nicht, jedes Schicksal ist anders. Seit einigen Tagen beleuchtet eine Foto-Ausstellung der Deutsche Bahn Stiftung im Stuttgarter Hauptbahnhof die Schicksale von 20 Jugendlichen, die zeitweise auf der Straße gelebt haben oder es dauerhaft tun.

Neben großformatigen Porträt-Fotos des Hamburger Fotografen Mauricio Bustamante können Reisende die Geschichten nachlesen, die sich hinter den Schicksalen verbergen. Aufgeschrieben hat sie die Journalistin Annabel Trautwein, die die Jugendlichen im vergangenen Jahr zusammen mit Bustamante begleitet hat. 

Ein 24-jähriger Mann, der sich Fettii nennt, schildert, warum er auf der Straße gelandet ist. „Meine Eltern hatten Gras unter meinem Bett gefunden, da hat meine Mutter im Streitaffekt gesagt: Pack Deine Sachen und geh.“ Als die Mutter später versucht, ihn anzurufen, ist es zu spät: Fettii hat sein Handy schon in den nächsten Bach geworfen.

Die Ausstellung zeigt einerseits ein bedrückendes Bild, andererseits ist ihre Ausrichtung auch hoffungsvoll. Viele der Porträtierten haben die Kurve gekriegt, wohnen heute in Wohngemeinschaften und arbeiten für Straßenzeitungen oder machen Ausbildungen.       Die Deutsche Bahn Stiftung will außerdem zeigen, dass es Hilfe gibt. Mit der Bahnhofsmission, die auch im Stuttgarter Hauptbahnhof vertreten ist, arbeite man schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Projekten zusammen, sagte Thorsten Krenz von der Deutschen Bahn am Dienstag. 

Die Ausstellung soll die Schicksale der Obdachlosen öffentlich machen. „Wir wollen aber auch einen Schritt weiter gehen und zeigen, wie man wieder rauskommt aus dem Sumpf.“ Der Bahnhof sei der ideale Ort für die Auseinandersetzung mit jugendlichen Obdachlosen, sagte Renate Beigert, Chefin der Stuttgarter Bahnhofsmission. Denn hier begegneten sich Menschen, die normalerweise nichts miteinander zu tun hätten. Und viele Menschen trügen Vorurteile gegen Obdachlose mit sich herum.

Belastbare Zahlen hat sie zwar nicht, doch Beigerts subjektiver Eindruck ist, dass immer mehr Menschen auf der Straße landen: „Die Vielfachbelastungen, die zu Obdachlosigkeit führen, nehmen zu“, sagt sie, zum Beispiel die ständige Angst, die Miete nicht mehr bezahlen zu können.

Info Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Februar im Hauptbahnhof zu sehen, danach in neun anderen deutschen Großstädten.