Stuttgart Suche nach Ersatz

Diese Fotovoltaikanlage haben die Stadtwerke auf dem Dach des VfB-Jugendleistungszentrums errichtet. Der VfB ist Pächter der Anlage und verbraucht den erzeugten Strom komplett selbst.
Diese Fotovoltaikanlage haben die Stadtwerke auf dem Dach des VfB-Jugendleistungszentrums errichtet. Der VfB ist Pächter der Anlage und verbraucht den erzeugten Strom komplett selbst. © Foto: Piechowski/Stadtwerke Stuttgart
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 13.11.2015
Die Stadtwerke Stuttgarter setzen auf die Erzeugung von regenerativer Energie. Das junge Unternehmen sucht jetzt einen Ersatz für den weggefallenen Windkraft-Standort Tauschwald.

Das Projekt Windkraft ist für die Stadtwerke Stuttgart in der Landeshauptstadt endgültig gestorben. Zu groß war der Widerstand der Bürger am geplanten Standort. Für den vor wenigen Jahren an den Start gegangenen städtischen Versorger ein herber Rückschlag: "Im Stadtgebiet Stuttgart stehen die Stadtwerke in den nächsten Jahren vor der besonderen Herausforderung, die jährlich 14 Millionen Kilowattstunden Ökostrom der beiden geplanten Windenergieanlagen am Standort Tauschwald durch andere erneuerbare Energien oder hocheffiziente Erzeugungsanlagen zu ersetzen", formuliert ein Sprecher diplomatisch die Enttäuschung. Denn das Unternehmen hat sich diese Art der Energieerzeugung auf die Fahnen geschrieben.

Entsprechende Leistung muss also künftig weiterhin anderswo erzeugt werden. Derzeit betreiben die Stadtwerke Windstandorte in Alpirsbach, im bayerischen Schwanfeld und Dinkelsbühl, in Lieskau in Brandenburg, im hessischen Bad Heersfeld und niedersächsischen Everswinkel. Das sind den Angaben zufolge aktuell 31 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 79 Megawatt. Rechnerisch können damit mehr als 70.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden, wie der Sprecher berichtet.

Die Stadtwerke sind ein junges Unternehmen. Sie wurden im Jahr 2011 gegründet. Damit korrigierte der Gemeinderat eine Entscheidung, die heute als Fehler eingestuft wird. In den Jahren 1997 und 2002 hatte die Kommune in zwei Tranchen seine alten Stadtwerke für 2,56 Milliarden Euro an die Energie Baden-Württemberg (EnBW) abgegeben, in der Furcht, der kommunale Betrieb könnte durch die Liberalisierung des Energiemarkts seinen Wert verlieren.

2013 starteten die neuen Stadtwerke mit dem Vertrieb von Ökostrom. Ende des Jahres hatten sie 6000 Kunden. Aktuell sind es 15.000 Kunden. Ein Großteil der 315.000 Stuttgarter Haushalte bezieht Energie noch vom Platzhirsch EnBW. Ganz ohne den großen Bruder kann auch die kleine Konkurrenz nicht auskommen. Die Kooperation ist freilich auf den Bereich der Strom- und Gasnetze beschränkt.

So wird das rund 5000 Kilometer lange Stromnetz in der Landeshauptstadt ab Anfang 2016 von der Stuttgart Netze Betrieb GmbH, einem Kooperationsunternehmen der Stadtwerke Stuttgart, und der Netze BW, betrieben. Diese Zusammenarbeit mit der zum EnBW-Konzern gehörenden Netze BW sei Ergebnis des Konzessionsverfahrens der Stadt Stuttgart in 2014 und bleibe auf das Netz beschränkt, wie der Sprecher betont. Aktuell sind bei dem örtlichen Versorger rund 40 Personen beschäftigt.

Neben der Windenergie setzen die Stadtwerke auf die Kraft der Sonne. Stuttgart sei wie kaum eine andere Großstadt für die Stromerzeugung aus Sonnenenergie geeignet. Aktuell gibt es fünf Anlagen im Stadtgebiet. Im Neckarpark, am Großmarkt auf dem Parkhaus und der Gemüsehalle, auf dem Dach des VfB-Nachwuchsleistungszentrums und auf dem Dach des Jugendhaus Mitte.

Der Sprecher betont: Die Entwicklung in diesem Bereich gehe mehr und mehr in Richtung dezentraler Erzeugung. "Dabei wird Strom im Gebäude nicht nur genutzt, sondern auch selbst produziert und verbraucht. Solarstrom eignet sich dafür besonders. Erzeugt das private Kraftwerk auf dem Dach mehr Strom als benötigt, fließt die Energie ins öffentliche Stromnetz und wird vergütet."

Rückkauf des Wassernetzes verzögert sich

Verhandlungen Stuttgart will sein Wassernetz wieder selbst betreiben. Deshalb muss es von einer EnBW-Tochter zurückgekauft werden. Seit Jahren verhandeln die Kommune und der drittgrößte deutsche Versorger schon über die Modalitäten. Strittig ist der Preis. Pikant dabei: Das Wassernetz wurde 2002 beim Verkauf gar nicht als Einzelposten bewertet. Es war einfach mitverkauft worden. Der Beschluss des Gemeinderats zum Rückkauf datiert aus dem Jahr 2010. Doch seit mehreren Jahren tut sich nichts. Es kam immer wieder zu Verzögerungen.

44 Hochbehälter Das Wassernetz in der Stadt wird mit 2500 Kilometer Wasserleitungen, 44 Hochbehältern für Trinkwasser, 39 Pumpwerken, 16.949 Hydranten und 16.247 Schiebern betrieben.

 

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