Seit Jahren steigt die Einwohnerzahl Stuttgarts stärker als erwartet. Nach der Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamtes wird die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt von aktuell 614.030 auf 650.000 Einwohner im Jahr 2025 anwachsen. Dies wären mehr Einwohner, als Stuttgart jemals zuvor zu verzeichnen hatte. Der Höchststand mit 640.560 Einwohnern stammt aus dem Jahr 1962. Danach nahm die Zahl der Einwohner wieder ab und fiel auf 551.000 im Jahr 1987. Das war der Wendepunkt: Stuttgart legte darauf wieder zu. Heute ist die Schwabenmetropole die sechst größte Stadt Deutschlands. Sie liegt hinter Frankfurt und vor Düsseldorf.

Dem Landesamt zufolge überschritt die Landeshauptstadt auf der Basis des Zensus von 2011 bereits im zweiten Quartal 2013 wieder die 600.000-Marke. Nach der Zählung des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart hatte die Kommune dagegen erst im Oktober 2015 wieder über 600.000 Einwohner. Ende November 2015 lebten nach dieser Rechnung 602.110 Menschen in Stuttgart. Hintergrund für die erhebliche Abweichung ist, dass sich die Statistiker der Stadt auf das Melderegister berufen. Sie stützen sich auf die tatsächlichen An- und Abmeldungen bei den Meldeämtern sowie auf die den Standesämtern übermittelten Geburten und Sterbefälle.

Hingegen stellt sich die Berechnung der Landesamt-Statistiker komplizierter dar. Denn hier fließen auch die Ergebnisse des Zensus aus dem Jahr 2011 ein, wie Werner Brachat-Schwarz vom Statistischen Landesamt erläutert: "Gerade weil es immer wieder zu Fehlern im Melderegister als auch in der Wanderungsstatistik und damit auch bei der Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahlen kommt, wurde ja im Jahr 2011 der Zensus durchgeführt; dadurch konnten die in unserer Bevölkerungsfortschreibung ermittelten Einwohnerzahlen korrigiert und neu justiert werden."

Im Klartext bedeutet dies, dass das Landesamt ab dem Zensus mit exakten Zahlen begonnen hat, seitdem die seitherigen Geburten und Zuzüge hinzuaddiert und Sterbefälle und Wegzüge abzieht. Im Melderegister hingegen werden die Zahlen fortgeschrieben, als hätte es den Zensus nicht gegeben. Der Grund ist rechtlicher Natur, so Brachat-Schwarz: "Durch das Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1983 war ein Abgleich der kommunalen Melderegister mit den Ergebnissen der Volkszählung 1987 und auch des Zensus 2011 nicht zulässig."

Den Hauptgrund für den vorhergesagten Einwohnerzuwachs sieht der Verband Region Stuttgart (VRS) in der Zuwanderung. Dies hänge auch mit der guten wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung zusammen. Immer wenn diese stark sei, kämen Menschen in die Region, um hier zu arbeiten. Damit tun sich freilich auch Probleme auf: So hält der Wohnungsbau mit der Zuwanderung nicht mehr Schritt.