Sie sehen ein bisschen aus wie Kaugummiautomaten, die beiden „Gum Walls“ („Gummiwände“) an der Stadtbahn-Haltestelle Stöckach. Dabei haben sie genau den gegenteiligen Zweck: Hier sollen die Wartenden auf dem Bahnsteig keine Kaugummis kaufen, sondern sie entsorgen.

Genutzt werden sie offenkundig auch schon: am Montagmorgen um neun Uhr kleben schon einige frische Kaugummis an der Wand. Andreas Ebert wirft einen interessierten Blick darauf, während er auf seine Bahn wartet. Der 52-jährige Versicherungskaufmann ist angetan. „Ich habe mir das gerade durchgelesen und finde die Idee gut. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass das funktioniert“, sagt Ebert.

„Gum Wall“, nennt die Mosbacher Herstellerfirma Schnabel Elektrotechnik die Installationen. Kaugummi-Kauer haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie kleben ihr ausgekautes Gummi direkt an die mit allerlei Smileys verzierte und mit einer Papierschicht versehenen Frontwand oder sie werfen ihn direkt in eine unten angebrachte Lade. Die Wand beinhaltet bis zu 100 Blätter, ist wasser- und feuerfest und kostet pro Exemplar 400 Euro.

Der Anblick gebrauchter Kaugummis ist alles andere als appetitlich –  das ist der Hintergedanke der acht Wände, die die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an fünf Stadtbahnhaltestellen angebracht hat: Der Ekel-Effekt soll die Passanten für das Thema sensibilisieren. Denn der im Stadtgebiet allgegenwärtige Anblick der festgetretenen Kaugummis ist nicht nur ein ästhetisches Ärgernis, sondern kommt Kommunen auch teuer zu stehen. Zwei bis drei Euro kostet die Entfernung eines einzigen achtlos ausgespuckten Gummis.

Genau an dieser Stelle kommt die Gum Wall ins Spiel. Die dort festgeklebten Gummis können städtische Mitarbeiter einfach mit dem Papier abreißen. Eine aufwändige Reinigung könnte also entfallen – vorausgesetzt, die Menschen nutzen die Wand. Die Aussichten sind gut: laut Hersteller nimmt die Anzahl der auf den Boden geworfenen Kaugummis in der Nähe der Gum Walls ab – zwischen 40 und 60 Prozent.

Die Hersteller haben die Metallkästen bereits in sechs Länder verkauft. Auch in anderen deutschen Städten hängen sie, so in Frankfurt, Gelsenkirchen, Duisburg und bald auch in Berlin. Und am Stuttgarter Flughafen. Dort läuft es so gut, dass zwei neue Gum Walls bestellt sind.