Aufbruch Stuttgart Stuhlkreis auf der Stadtautobahn

Demonstranten sitzen, wo sonst Autos vorbeirauschen.
Demonstranten sitzen, wo sonst Autos vorbeirauschen. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Tilman Baur 09.07.2018

Es sollte ein Zeichen sein für mehr Lebensqualität und gegen die Stadtautobahn entlang der Kulturmeile mit Staatsgalerie, Haus der Geschichte und Landesbibliothek, auf der täglich rund 100 000 Autos fahren: Am Sonntag sperrte die Polizei den Abschnitt zwischen Charlottenplatz und Gebhard-Müller-Platz ab.  Die Bürgerinitiative „Aufbruch Stuttgart“ hatte unter dem Motto „1000 Stühle“ zur Sitzdemo auf der B 14 geladen. Die Teilnehmer nahmen auf geliehenen beziehungsweise mitgebrachten Stühlen und Decken Platz.

Statt mindestens 1000 erhoffter Teilnehmer kamen am Ende nach Angaben der Polizei aber nur etwa 230. „Vielleicht liegt es am guten Wetter“, sagte Demonstrantin Inge Willing. Im September hätte es bei einer ähnlichen Aktion weit mehr Andrang gegeben, so die 61-jährige. Trotzdem: Die Initiative sei toll, Stuttgart müsse städtebaulich endlich vom Fleck kommen. Damit spricht Willing das aus, was wohl die meisten Demo-Teilnehmer am Sonntag auf die Straße getrieben hat. Sie wünschen sich, dass das autogerechte Stuttgart menschengerechter wird. „Ich bin für einen kompletten Umbau der B 14. Sie muss menschengerecht werden. Eine Allee vielleicht, ein Boulevard. Zumindest aber bräuchte man mehr Grün, ein paar Cafés oder Einkaufsmöglichkeiten“, sagte Ehemann Horst Willing, ebenfalls 61.

Die Willings waren repräsentative Demo-Teilnehmer. Nur vereinzelt ließen sich Menschen unter 50 oder Familien blicken. Für Stimmung sorgte eine Blaskapelle, ein Tango-Tänzer und ein Elvis-Imitator. Als Rednerpult diente – symbolisch – ein überdimensionaler Stuhl. Von diesem aus machte Wieland Backes den Bürgern Mut. Der TV-Moderator und Vorsitzende des Vereins  „Aufbruch“ sieht sein Bündnis auf einem guten Weg. „Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass es jetzt einen Wettbewerb zur Neugestaltung der B 14 geben würde.“ Es gebe eine echte Chance, dort ein lebendiges Stadtquartier entstehen zu lassen, wo heute Autos den Takt angäben.

Die Sitzdemo wolle man nicht zur Routine werden lassen – auch, um Autofahrer nicht unnötig zu provozieren. Backes: „Aber man muss einmal physisch erfahren, was es heißt, wenn die Straße verkehrsberuhigt ist.“

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