Verkehr Streit um die Straßenbahn in Ludwigsburg

Im Kreis Ludwigsburg fährt die SSB bislang nur Remseck und Gerlingen an.
Im Kreis Ludwigsburg fährt die SSB bislang nur Remseck und Gerlingen an. © Foto: Daniel Grupp
Ludwigsburg / Uwe Roth 08.08.2018

Sieben Kommunen und der Landkreis machen Druck auf Ludwigsburg: Der Landrat, drei Oberbürgermeister sowie vier Bürgermeister wollen OB Werner Spec (parteilos) mit einem Vertrag dazu bringen, sich zum Bau einer Straßenbahn mit der Niederflurtechnik zu verpflichten. Sollte Spec eine Unterschrift bis zum Jahresende verweigern, drohen die Kommunen mit einem Bruch der Projektpartnerschaft. Statt mit Ludwigsburg eine Niederflurbahn durch den Kreis zu bauen, würden sie mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) kooperieren.

Die SSB hat eine Ausweitung ihres Streckennetzes in den Kreis Ludwigsburg ins Spiel gebracht. Ludwigsburg will die gelbe Stadtbahn wegen der hohen Bahnsteige jedoch auf keinen Fall. Dazu gibt es einen vor der Sommerpause erneuerten Beschluss des Gemeinderats. Doch auch die Niederflurtechnik hat im Gremium so viele Gegner, dass unter den Projektpartnern die Zweifel wachsen, ob man in der Stadt überhaupt die Schiene haben wolle. Die Umlandkommunen hingegen liebäugeln mit der SSB, die bisher die Städte Gerlingen und Remseck im Kreis Ludwigsburg anfährt. Der direkte Anschluss an das 250 Kilometer umfassende SSB-Netz scheint ihnen attraktiver zu sein, als ein kurzer Schienenweg nach Ludwigsburg.

Die Stadt Ludwigsburg will die stillgelegte Strecke nach Markgröningen reaktivieren. Darauf soll ein Brennstoffzellenzug fahren. Ob diese neue Antriebstechnologie aber je zum Einsatz kommt, kann Spec nicht zusagen.

Vertreter der Städte Remseck, Kornwestheim, Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Markgröningen, Möglingen und Landrat Rainer Haas (parteilos) haben am Montag eine Erklärung abgegeben, warum sie einerseits die Niederflurtechnik nicht haben wollen, andererseits dem Ludwigsburger OB aber die Hand reichen wollen. Landrat Haas sagte, er habe „die Hoffnung nicht aufgegeben, im Konsens mit Ludwigsburg etwas zu machen“. Seine Botschaft und die der Kommunen sei: „Wir bewegen uns!“ Diese Kompromissbereitschaft soll auch ein Signal an die Verkehrsminister von Bund und Land sein, die Zuschüsse beisteuern sollen. Die Investition wird auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Spec favorisiert Bus-System

Nicht nur Stadträte, sondern auch Spec sät Zweifel an der Ernsthaftigkeit zum Bau einer Stadtbahn. Spec favorisiert eine schienenlose Version, ein BRT-System (Bus Rapid Transit), das sich nach seiner Überzeugung schneller realisieren lässt als eine schienengebundene Bahn. Eigene Trassen sind für den BRT nicht zwingend notwendig.

Der Rathauschef argumentiert, auf den BRT-Trassen könnten später Niederflurbahnen fahren. Sollten die Bürger den BRT jedoch gut finden, wäre ein Umstieg auf die nächste Technologie eventuell nicht mehr notwendig. Wegen solchen Überlegungen fürchten die Nachbargemeinden um ihren Stadtbahnanschluss.

In einer ersten Stellungnahme „begrüßte“ OB Spec, dass der Landrat „wieder zu einem Verzicht auf die Hochflur-Stadtbahn zurückgefunden hat.“ Ob sich die Stadt als Bekenntnis zur Niederflurbahn auf einen verbindlichen Vertrag einlassen wird, ließ er jedoch offen.

Fahrverbote abwenden

Der BRT mit Batterieantrieb soll in Ludwigsburg ein drohendes Dieselfahrverbot abwenden. An der Messstation Friedrichstraße in Ludwigsburg werden regelmäßig zu hohe Stickoxidwerte gemessen.

Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe teilt auf Nachfrage mit: „Auch zu Ludwigsburg haben wir ein Rechtsverfahren, um notfalls auf dem Klageweg Dieselfahrverbote zu erreichen.“

Das Regierungspräsidium ist für die Luftreinhaltepläne zuständig. Aktuell geht es darum, ob ein Fahrverbot für Euro-5-Diesel für Stuttgart gelten muss. Das könnte später auch Ludwigsburg treffen. uro

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