Kultur Stimmen gegen das Vergessen

Iris Berben ist Schirmherrin der Stuttgarter Stimmtage.
Iris Berben ist Schirmherrin der Stuttgarter Stimmtage. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Nadja Otterbach 06.11.2018

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, Sprecherin und Präsidentin der  Filmakademie. Und sie ist auch: Schirmherrin der 12. Internationalen Stuttgarter Stimmtage. Deswegen hat Iris Berben den Abschluss der mehrtägigen Veranstaltungsreihe zum Phänomen Stimme und Emotionalität mitgestaltet.

Alle Plätze im Konzertsaal der Musikhochschule waren am Sonntagabend besetzt. 500 Besucher applaudierten begeistert, als die Prominente mit dem Kammerchor Stuttgart die Bühne betrat. Der gab an diesem Abend sein Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen. Noch während seines Musikstudiums hatte Frieder Bernius – damals war er 20 Jahre alt – den Kammerchor gegründet und ihn im Laufe der Jahrzehnte zum Erfolg geführt.

Gedenken an den Weltkrieg

Der Projekt-Chor tritt in wechselnden Besetzungen auf, Bernius leitet das Ensemble bis heute. Dass er seine ganze Leidenschaft in diesen Chor fließen lässt, war beim Konzert spürbar. Anderthalb Stunden blieb das Publikum mucksmäuschenstill, lauschte gebannt den glockenreinen Chorstimmen, die Werke von Elgar, Eisler, Debussy, Ravel und Mendelssohn präsentierten, im Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs sowie an die Reichspogromnacht.

Iris Berben, mehrfach ausgezeichnet für ihr Engagement gegen Antisemitismus, für Toleranz und Mitmenschlichkeit, las ausdrucksstark Texte gegen das Vergessen, während die Sänger einen Halbkreis um sie bildeten. Besonders berührend: die Zeilen aus „Heeresbericht“ von Edlef Köppen, der in seinem 1930 veröffentlichten Roman seine eigenen Erlebnisse des Ersten Weltkrieges verarbeitete. „Die Krise der Sozialdemokratie“ von Rosa Luxemburg und „An die Nachgeborenen“ von Bertolt Brecht waren weitere Werke, aus denen die Schauspielerin ausgewählte Passagen vortrug.

Noch während der Kammerchor sich vom Publikum bejubeln ließ, huschte Berben aus dem Saal. Ein Termin am nächsten Tag zwang sie zur Eile. Die Zugabe fand also ohne die Sprecherin statt.

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