Stuttgart Stickstoffdioxid: Im Schatten des Feinstaubs

Stuttgart / DPA/DL 10.03.2016
Ein Expertenteam der Uni Heidelberg wird Mitte März die Stickstoffdioxid-Belastung in der Stuttgarter Luft messen - und zwar an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Während der Feinstaub als giftiger Stoff in der Luft nach drei Feinstaub-Alarmen - der jüngste hat am Mittwoch begonnen - so gut wie allen Stuttgartern bekannt sein dürfte, spielt Stickstoffdioxid in der Wahrnehmung eine Nebenrolle. Der gasförmige Stoff ist aber nicht weniger gefährlich und überschreitet vielerorts den zulässigen Jahresgrenzwert.

Auftraggeber für die Messungen ist Greenpeace. Sowohl die Umweltorganisation als auch die Heidelberger Wissenschaftler kritisieren, dass es zu wenige Messstationen für Stickstoffdioxid (NO2) gebe. Deshalb werden die Experten vom Institut für Umweltphysik für ihre Messungen mit einem eigens entwickelten mobilen Messgerät im Fahrradanhänger unterwegs sein. Ein Schlauch nimmt die zu analysierende Luft etwa dort auf, wo der Fahrradfahrer einatmet. Im Gerät wird die Luft durchleuchtet und auf die NO2-Konzentration geschlossen, so Physiker Denis Pöhler.

Seit Februar misst Greenpeace mit Pöhlers Gruppe Stickoxid-Konzentrationen in deutschen Innenstädten. In Baden-Württemberg sind Messungen in Stuttgart, Tübingen und Freiburg geplant. Die Organisation verknüpft damit die Forderung nach einem besseren öffentlichen Nahverkehr und nach einer blauen Plakette für Fahrzeuge, die wenig Abgas ausstoßen. Der Stadt Stuttgart zufolge soll der Feinstaub-Alarm auch dabei helfen, den Anteil von NO2 in der Luft zu reduzieren.

Der Alarm dauert laut der Stadt mindestens noch bis Freitagnacht. Die Luftbelastung in Stuttgart ist derzeit hoch: Am Dienstag lag der Feinstaub-Anteil nach vorläufigen Erkenntnissen an der Messstelle am Neckartor, die als repräsentativ für die Umgebung gilt, bei 61 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der EU-Richtwert liegt bei 50. OB Fritz Kuhn (Grüne) sagte, man dürfe die Belastung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Außerdem betonte er: "Nicht der Feinstaub-Alarm ist das Problem, sondern der Feinstaub." Wie viele Autofahrer auf den Aufruf reagiert haben, ist noch unklar.

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