Drei Jahre sind vergangen und erst jetzt kommt Bewegung in die Sache: Seit Februar 2016 brechen immer wieder Felsen in den Weinbergen im Gewann Zuckerberg in Bad Cannstatt ab. Die Winzer warten seitdem auf ein Gutachten. Im Ausschuss für Umwelt und Technik hat Wolfgang Maier vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung nun Lösungsvorschläge vorgestellt. Bei den Felsstürzen handelt es sich laut Maier um einen natürlichen Prozess. Jedoch seien manche Abschnitte im Gewann wegen der Hangrutsche schon nicht mehr zu bewirtschaften. Für die Winzer eine Horrorvorstellung.

Mit Drohnen verschafften sich Fachleute der Stadtplanung einen Überblick, später kletterten sie die Felswände ab. An einigen Stellen befindet sich unter den Trockenmauern ein Tonband, das mit der Zeit porös wird und bricht. „Die Felsbrocken kippen nach vorne“, erklärt Maier. „An anderen Stellen wiederum rutscht der Hang komplett ab.“ Akuter Handlungsbedarf herrsche an drei Felswänden. Maier stellte einige Sanierungsmöglichkeiten vor. Die sinnvollste Option seien Fangnetze. Felswände zum Beispiel mit Spritzbeton zu sichern, würde das dortige Biotop völlig zerstören. „Das ist keine Option. Schließlich hat die Naturschutzbehörde festgestellt, dass sich in dem Gebiet zehn Pflanzenarten befinden, die im Moment auf der roten Liste stehen.“

Was letztendlich passiert, sei aber Sache der Grundstückbesitzer. „Die Stadt ist nicht der Bauherr“, sagt Maier. Die Lösungsvariante mit den Fangnetzen liege bei Kosten um die 400 000 Euro. Nicht wenig für die Winzer, die das aus eigener Tasche zahlen müssten. Die Gemeinderäte sind sich aber einig: Die Stadt muss ihnen unter die Arme greifen.

Laut Christoph Ozasek (SÖS Linke Plus) ist die Landschaft am Zuckerberg zu erhalten. Man müsse gründlich untersuchen, wie die Kostenverteilung aussehen kann und welchen finanziellen Teil die Stadt übernimmt. Laut Beate Bulle-Schmid (CDU) kann die Stadt die Grundstücksbesitzer nicht im Regen stehen lassen. „Sie sollten nicht auf den Kosten sitzen bleiben.“ Die Gemeinderäte wollen sich im Doppelhaushalt nochmal mit den Sanierungsmöglichkeiten und der Finanzierung auseinandersetzen. Fakt ist, dass nach drei Jahren am Zuckerberg in Bad Cannstatt endlich etwas passiert.