Fachkräfte Stadt startet Werbeaktion

In vielen städtischen Einrichtungen fehlen Fachkräfte, unter anderem in Kindergärten.
In vielen städtischen Einrichtungen fehlen Fachkräfte, unter anderem in Kindergärten. © Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Von Uwe Roth 21.08.2018

Ginge es nach der aktuellen Jobkampagne der Stadt, müssten sämtliche 19 000 kommunalen Beschäftigte auf die Frage nach ihrem Beruf die gleiche Antwort geben: Stuttgart. Nach den Sommerferien geht die Verwaltung mit ihrem Werbespruch „Stuttgart von Beruf“ in die Öffentlichkeit. Mit ihren Vorzügen als Arbeitgeberin präsentiert sich die Stadt zum Beispiel auf den Infoscreens an den Haltestellen der SSB, und im Herbst kommt ein Werbespot in die Kinos, ein Werbebanner soll das Rathaus zieren. Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer (CDU) begründet die 185 000 Euro teure Kampagne so: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource, die wir haben. Daher liegen mir sowohl die Mitarbeitergewinnung, als auch die Bindung vorhandenen Personals besonders am Herzen.“

Es gelten die Tarifgruppen

Statt 19 000 sollte Stuttgart knapp 20 000 Mitarbeiter haben. Denn aktuell sind nach städtischen Angaben rund 800 Stellen offen. „Diese recht hohe Zahl hängt unter anderem mit der Anzahl unbesetzter Erzieherstellen zusammen“, sagt Sabine Reichert vom Haupt- und Personalamt. Neben Personal für die Kita-Einrichtungen fehlen vor allem Schulhausmeister und Mülllader. Die Ortspolizeibehörde benötigt Mitarbeiter für den Vollzugsdienst, die städtischen Kliniken Ärzte. Auch IT-Fachleute und Ingenieure sind gesucht. Der Fachkräftemangel trifft die Stadt ebenso wie die freie Wirtschaft.

Einen Job bei der Stadt zu haben bedeutet, Teil des öffentlichen Dienstes zu sein. Dort gelten vor allem bei der Bezahlung nicht die freien Regeln wie in den Unternehmen, die in Stuttgart und Umgebung mit lukrativen Verdienst- und Fortbildungsmöglichkeiten locken. „Wir müssen uns an die Tarifgruppen halten“, sagt die Personalfachfrau. Je nach Berufserfahrung könne ein Bewerber innerhalb einer Entgeltgruppe einer höheren Entwicklungsstufe zugeordnete werden. Aber der Flexibilität seien Grenzen gesetzt. Zudem stehen die Personalkosten im Gemeinderat unter strenger Beobachtung.

Im vergangenen Jahr gab es bei der Stadt rund 700 Bewerbungsverfahren. „Für dieses Jahr schätzen wir, dass es rund 1000 Verfahren werden“, sagt Reichert. Die meisten Bewerbungen kommen auf dem Postweg. Das macht ihrem Amt zwar viel Arbeit, denn alle Bewerbungen auf Papier müssen digitalisiert und in die Bewerberdatenbank eingepflegt werden. „Aber wir wollen die Hürde, sich bei uns zu bewerben, möglichst klein halten.“ Das treffe besonders für ältere Bewerber zu. Interessenten für einen Ausbildungsplatz würden zunehmend online mit der Stadt Kontakt aufnehmen.

Die Verwaltung will als verlässliche Arbeitgeberin punkten. „Ein Arbeitsplatz bei uns wird für immer in Stuttgart bleiben. Das können große Unternehmen nicht ohne weiteres behaupten.“ Was die Stadt außerdem zu bieten hat, fasst eine Broschüre zusammen: Geworben wird mit Familienfreundlichkeit, einer ausgewogenen Work-Life-Balance, mit Kantinenessen in hoher Qualität zu „sehr günstigen Preisen“, gezielter Nachwuchsförderung, Aufstiegsmöglichkeiten und einem bezuschussten Ticket des Verkehrsverbunds Stuttgart.

Die Stadtverwaltung hat für die laufende Kampagne einen Imagefilm produzieren lassen. Die Verdienstmöglichkeiten spielen darin keine Rolle. Vielmehr transportiert er die Botschaft, dass es ein gutes Gefühl sei, bei der Stadt Stuttgart zu arbeiten. „Wir wollen mit dem Film zeigen, dass die Stadt eine moderne und attraktive Arbeitgeberin ist“, so der Verwaltungsbürgermeister. Die Protagonisten sind städtische Mitarbeiter. „Wir wollen den besten Beruf der Landeshauptstadt Stuttgart vorstellen“, sagt zum Beispiel ein Feuerwehrmann im zweiminütigen Making-of-Video. Es wurde während der Aufnahmen für die Plakatmotive produziert. 

„Ich und mein Hund sind beide angestellt über die Stadt Stuttgart. Wir kriegen beide unser Gehalt“, sagt eine Hundeführerin der Ortspolizei, und ihr Kollege ergänzt: „Ich finde die Stadt Stuttgart einen tollen Arbeitgeber.“ Eine Auszubildende lobt die Atmosphäre während der Aufnahmen: „Wir sind eigentlich hier die Stadt.“

Bundesweiter Mangel an Beamten

Nach Schätzung des Deutschen Beamtenbunds (dbb) und seiner Mitgliedsgewerkschaften fehlen insgesamt 185 000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, vor allem in den Ländern und Kommunen: 130 000 Erzieher und 32 000 Beschäftigte an Schulen. Außerdem fehlen Mitarbeiter etwa im Bereich Sicherheit und Ordnung, im öffentlichen Gesundheitsdienst, in der allgemeinen Verwaltung und bei den Jobcentern.

„Uns fehlen Leute an allen Ecken und Enden“, sagt dbb-Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach. Der Altersdurchschnitt steige stetig. In 15 Jahren würden so etwa 1,5 Millionen Beamte ausscheiden. uro

Bundesweiter Mangel an Beamten

Nach Einschätzung des Deutschen Beamtenbunds (dbb) und seiner Mitgliedsgewerkschaften fehlen insgesamt 185 000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, vor allem in den Ländern und Kommunen. So werden 130 000 zusätzliche Erzieher benötigt sowie 32 000 Beschäftigte an Schulen. Hinzu kommen weitere Lücken, etwa im Bereich Sicherheit und Ordnung, im öffentlichen Gesundheitsdienst, in der allgemeinen Verwaltung und bei den Jobcentern.

„Uns fehlen Leute an allen Ecken und Enden“, sagt dbb-Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach. Durch seit Jahren fehlende Neueinstellungen steige der Altersdurchschnitt stetig. In den nächsten 15 Jahren würden etwa 1,5 Millionen Kolleginnen und Kollegen altersbedingt ausscheiden. uro

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel