Unterhaltung Spitzenakrobaten im Dirndl

Die Varieté-Truppe gibt sich folkloristisch.
Die Varieté-Truppe gibt sich folkloristisch. © Foto: Helmut Ulrich
Stuttgart / Raimund Waible 10.09.2018

Philipp nervt. Mal will er Zuckerwatte, dann Karussell fahren, und einen Schießstand gibt es auch noch. Der Filius quengelt, und die Mutter gerät in Stress. Szenen wie auf Jahrmärkten. Regisseur Ralph Sun hat solche Szenen aufgegriffen und arbeitete sie als Bindeglieder zwischen den Nummern seines neuen Programms „Servus, Grüezi und Hallo“ ein, das am Samstag Premiere feierte. Das Friedrichsbau-Varieté orientiert sich am Volksfest. Selbst Varieté-Geschäftsführer Timo Steinhauer zeigt sich in alpenländischem Gewand. Er hüllte sich in die Tracht aus dem Werdenfelser Land.

In der Rolle der Mutter die resolute Sandy Beach alias Sandra Steffl, den Buben mimt  Tigris, der Mann mit dem biegsamen Körper. Wie bei kaum einem anderen Friedrichsbau-Programm wirken die Artisten beim ganzen Ablauf mit, als prostende Gäste, als tanzende Garde. Sandy Beach hält im Dirndl das Ganze zusammen, bewährt sich als Stimmungskanone und holt sich die Lacher mit einer Striptease-Persiflage.

Was zwischendrin kommt, ist Weltklasse-Artistik.  Tigris, der Volksfest-Bub, glänzt mit den Hula-Hoop-Reifen und verrenkt in seiner Kontorsions-Nummer den athletischen Körper auf unglaubliche Weise. Inna Zobenko aus der Ukraine wirbelt auf der Drehscheibe in einem Tempo, dass einem beim Zuschauen schwindlig wird. Der Kubaner Armando Liazeed bewegt sich selbst auf dem Kopf stehend nach vorne.

Die Brasilianerin Thais Ferreira weiß mit Anmut am Luftring zu überzeugen,   Dmytro Kharlov (Ukraine) erweist sich als Champion der Balance. Seine Landsleute Alex und Anna liefern einen rasanten Rollerskating-Act ab. Sebastian Stamm zeigt seine Kraft und Akrobatik am Chinese Pole. Er hängt mit entblößtem Oberkörper am Seil und lässt sich einen Humpen Bier reichen – seine Sixpacks sind umwerfend.

Der komische Magier Skizzo aus Italien zaubert Bier und Brezel aus seinem Zauberkasten, wirkt manchmal allerdings, gerade bei der Nummer mit dem fiktiven Floh „Renata“, etwas überkandidelt. Am Schluss rundet Sandy Beach den Dirndl- und Lederhosen-Abend mit dem Spider-Murphy-Hit „Skandal um Rosi“ ab.

Wer das Stück besucht, muss schon die vielen Stimmungs-Schlager abkönnen, inklusive Helene Fischers „Atemlos“. Doch auch Festzelt-Muffel können sich, dank der Weltklasse-Artistik, gut unterhalten fühlen. Der Applaus am Ende war riesig, mehrere Vorhänge.

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