Aktion Sitzdemo auf der Stadtautobahn

Seine Demo will Wieland Backes (li.) mit Tanz und Gesang auflockern.
Seine Demo will Wieland Backes (li.) mit Tanz und Gesang auflockern. © Foto: Helmut Seitz
Stuttgart / Dominique Leibbrand 29.06.2018

Wohnzimmeratmosphäre statt brummender Stadtautobahn. Das wünscht sich die Initiative „Aufbruch Stuttgart“ rund um TV-Moderator Wieland Backes für die B 14, die mit täglich fast 100 000 Autos eine Schneise in die Kulturmeile mit ihren renommierten Häusern von Oper bis Staatsgalerie schlägt. Zum zweiten Mal veranstaltet der Verein daher auf der Verkehrsachse eine Demonstration. Motto diesmal: „1000 Stühle“.

Dort, wo sonst Blechlawinen rollen, sollen am Sonntag, 8. Juli, Bürger auf Stühlen Platz nehmen. Diese können sie selbst mitbringen oder von der Initiative gegen ein Pfand von zehn Euro leihen. Von 10 bis 13 Uhr wird die B 14 dafür zwischen Staatsgalerie und Stadtpalais für den Verkehr komplett gesperrt. Ab 9 Uhr gibt es bereits eine Teilsperrung. Passend zum Motto hofft der Verein auf mindestens 1000 Teilnehmer.

„Wir wollen Stuttgart voranbringen“, sagte Backes bei der Vorstellung der Aktion. Dabei soll den Bürgern ein Gefühl dafür vermittelt werden,  wie die vielbefahrene Straße ohne Autos wirkt, setzt sich die Initiative doch für eine Umgestaltung der Kulturmeile ein. Dass sich der Gemeinderat jüngst mehrheitlich offen für eine Untertunnelung der Stadtautobahn zeigte, freue den Verein, so Backes.

Die Aktion soll nicht als bierernste Demo rüberkommen, sondern spielerisch mit einem Kulturprogramm. Elvis-Interpret Nils Strassburg wird singen, die „Fessh“-Band liefert Jazz, und Enrique Grahl wird samt Partnerin zum Tango ansetzen, in den die Teilnehmer einstimmen sollen.

 „Wir wollen der Sache nochmal einen Schub geben“, so Backes. Er weiß, dass es schwierig werden wird, die Initiative, die mittlerweile rund 740 Mitglieder zählt, über Jahre am Leben zu erhalten, wenn sich nichts tut: Bis die Kulturmeile untertunnelt ist, könnten, sofern überhaupt ein Grundsatzbeschluss fällt, zehn oder mehr Jahre vergehen. Es gelte also, die Emotionen wachzuhalten, so der Moderator. Immer wieder will der Verein daher Aktionen starten, wenngleich nicht das Ziel sei, die Autofahrer zu ärgern. „Wir wollen nicht alle zwei Wochen die Straße sperren.“

Hauptsächlich will der Verein, der im März 2017 gegründet wurde,  Sacharbeit leisten, Impulse in die Stadt hinein senden. Wenngleich das offenbar nicht immer erwünscht ist. Jüngst nannte OB Fritz Kuhn (Grüne) die Initiative in der Diskussion um die Sanierung der Oper einen „Abriss“-Verein. Eine Aussage, die Backes und seine Mitstreiter freilich ärgerte. Von einem Zerwürfnis wolle er jedoch nicht reden, so der Moderator. Es sei ein „konstruktives, kritisches Gegenüber“. Man selbst will sachlich bleiben, „als positive Kraft“ in der Stadt wirken. Etwa über einen eigenen Ideenwettbewerb zum Kulturquartier, bei dem im November vier bis fünf Architekturbüros Lösungen entwickeln sollen. Die Ergebnisse sollen mit jenen des städtischen Wettbewerbs, der vorbereitet wird, zusammengeführt werden.

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