Denkmalpflege Seltene Funde aus der Bronzezeit

Archäologen bergen in Altbach einen Ofen.
Archäologen bergen in Altbach einen Ofen. © Foto: ArchäoBW/S.Barthels
Altbach / Raimund Weible 29.12.2017

Mehrere Gehöfte aus der späten Bronzezeit sind bei einer Rettungsgrabung am südöstlichen Rand von Altbach (Kreis Esslingen) entdeckt worden. Nach Ansicht des staatlichen Archäologen Jörg Bofinger handelt es sich um einen seltenen Fund. Solche flächige Siedlungen aus der Zeit um 1000 vor Christus seien rar in Südwestdeutschland.

Fachleute des privaten Spezial­unternehmens ArchäoBW aus Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) hatten sechs Monate auf dem Areal gearbeitet und nach Siedlungsresten gesucht. Sie waren unter Zeitdruck, denn auf dem Gebiet namens Losburg soll ein Wohngebiet entstehen. Die Archäologen entdeckten zahlreiche Hausgrundrisse. Die Relikte lassen den Schluss zu, dass an dem Hang auf der rechten Seite des Neckars verschiedene bäuerliche Anwesen existiert hatten. Die Fachleute beförderten mehrere Feuer- und Ofenanlagen ans Tageslicht.

Bofinger zufolge erlauben die gefundene Keramik und einige wenige Bronzegegenstände, darunter eine Pfeilspitze, Einblicke in die Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen am Ende der Bronzezeit.

Wer die Menschen waren, die damals siedelten, ist freilich ein Rätsel. Es gibt aus dieser Zeit keine schriftlichen Dokumente. Die Archäologen sprechen von den Menschen aus der Urnenfelderzeit. Dieser Begriff leitet sich von dem Bestattungsritus dieses Volkes ab. Die Menschen verbrannten ihre Toten auf dem Scheiterhaufen und bestatteten die Reste in Urnen.

Derzeit sichten die Archäologen die Funde und wählen aus, was für die Restaurierung geeignet ist. Die Objekte wandern später in das zentrale Funddepot der archäologischen Denkmalpflege in Rastatt. Eine Ausstellung der Funde in der Region ist laut Bofinger nicht geplant. Jedoch könnten möglicherweise ausgewählte Objekte in einer Vitrine im Altbacher Rathaus gezeigt werden.

Für die Kosten der Rettungsgrabung – rund 375 000 Euro – kommt zunächst die Gemeinde Altbach auf. Alles, was den Betrag von 350 000 Euro übersteigt, übernimmt das Landesamt für Denkmalschutz. Die 350 000 Euro legt die Gemeinde auf die Grundstückseigentümer um. Das macht rund 13 Euro pro Quadratmeter aus.

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