Stuttgart Schni-Po-Sa vom Hällischen Schwein

Bodenständig mit Kronleuchtern: das Schlesinger.
Bodenständig mit Kronleuchtern: das Schlesinger. © Foto: Ferdinando Iannone
RAINER LANG 17.03.2016
Vor 20 Jahren begann alles als Punk-Club. Auch wenn die Konzerte selten geworden sind, das Stammpublikum ist dem Schlesinger treu geblieben.

"Wir wollten uns nicht immer aufregen, dass es keine gescheiten Kneipen gibt in Stuttgart. Also machten wir einfach unsere eigene auf", erinnert sich Martin Arnold, genannt Nolde. Der gelernte Landschaftsgärtner arbeitete damals im legendären Casino in Stuttgart-Heslach. Ebenso wie seine Kumpels Jörg Schelling alias Tschelle und Heribert Meiers alias Heri. Am 8. März 1996 eröffnete das Trio das Schlesinger - fortan eine Anlaufstelle für die alternative Szene in Stuttgart.

Die drei Wirte teilten die Vorliebe für Punk, Fußball und Bier. Das prägt bis heute die lockere und zum Teil rotzig-freche und flippige Atmosphäre im "Schlesinger Int." Als Schlesinger bezeichnet man eigentlich einen Teigschaber. Das klang irgendwie gut in den Ohren der Gründer. "Wir wollten etwas Normales und hängten dann das ,Int.' für international dran", erzählt Tschelle. Hier wird bis heute gemeinsam Fußball geguckt, neben der Hausmarke Stuttgarter Hofbräu gibt es unzählige Biersorten. Angesagt waren früher wilde Auftritte mit internationalen Punk-Bands und lokalen Gruppen.

Heute gibt es nur noch wenige Konzerte, Tschelle legt aber immer noch gern als DJ auf, von Punk und Ska über Rock und Rockabilly bis Hip-Hop.

Am Ambiente des Schlesingers hat sich in den vergangenen 20 Jahren wenig geändert. Die Kronleuchter an der Decke geben dem Gastraum mit rustikalen Holztischen und Dielenboden eine etwas schräge Note. Die Gäste aus den Anfangsjahren sind dem Schlesinger bis heute treu geblieben. Auch die Grünen feiern seit Urzeiten ihre Wahlpartys im Schlesinger. Nur, weil am vergangenen Wochenende hier die große Fete zum 20. Geburtstag stieg, zogen die Grünen in die Staatsgalerie um. Seit Alex vor sieben Jahren nach Stuttgart kam, ist er Stammgast im Schlesinger. "Das Lokal kann man jedem empfehlen, von 20 bis 60."

Das Essen hat im Schlesinger heute einen höheren Stellenwert als früher. "Wir waren unter den ersten in Stuttgart, die ihr Fleisch bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall bestellten", sagt der 53 Jahre alte Nolde. Von Anfang an wurde auf Qualität geachtet. Und dies bei günstigen Preisen und guten Portionen. Die Speisekarte bietet vor allem Schwäbisches, wie den Rostbraten für 21,90 Euro oder Schni-Po-Sa, also Schnitzel, Pommes und Salat, für 13,90 Euro sowie Wurstsalat in allen Variationen. Je nach Saison gibt es wöchentlich wechselnde Angebote. "Gutes Essen, gutes Bier und gute Stimmung", so fasst es Alex zusammen. "Die Bierkultur wird hier hochgehalten", lobt Martin Alber von Stuttgarter Hofbräu. Am 23. April wird der Tag des Bieres im Schlesinger groß gefeiert.

www.schlesinger-int.de