Rutesheim Rutesheim verliert mehr als 700 Arbeitsplätze

JÜS 26.03.2016
Für die Beschäftigten des Bosch-Werkes in Rutesheim (Kreis Böblingen) stehen tiefgreifende Veränderungen an. Der Autozulieferer will den Standort schließen und einen Großteil der Produktion nach Feuerbach verlagern.

Für die Beschäftigten des Bosch-Werkes in Rutesheim (Kreis Böblingen) stehen tiefgreifende Veränderungen an. Der Autozulieferer will den Standort schließen und einen Großteil der Produktion nach Feuerbach verlagern. 500 Mitarbeiter sollen in den Stuttgarter Norden umziehen, rund 230 Stellen, die derzeit nur befristet besetzt sind, wegfallen. Eine der Produktionslinien soll ins Ausland, wohl nach Rumänien, verlagert werden, bestätigt eine Bosch-Sprecherin.

Bosch begründet die Aufgabe des Werks mit dessen Lage mitten in einem Wohngebiet und dem Zustand der Gebäude. Die gelten als sanierungsbedürftig. "Um zukunftsfähig zu werden, müsste in den kommenden Jahren ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag investiert werden", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung des Konzerns.

Im Rathaus der 11.000-Einwohnerstadt zeigt man sich vom Zeitpunkt der Ankündigung überrascht, auch wenn dort die Probleme des Standortes bekannt sind. Der Rutesheimer Bürgermeister Dieter Hofmann räumt gleichwohl ein, dass die Sanierung nicht im laufenden Betrieb durchgeführt werden könnte. Und Verlagerungsmöglichkeiten innerhalb des Werkes gebe es nicht, weil der Standort vollständig ausgelastet sei. Dennoch hatte der Rathauschef gehofft, die Bosch-Geschäftsführung in einem Gespräch kurz vor Ostern noch umstimmen zu können - ohne Erfolg. Bosch folge einem allgemeinen Trend in der Industrie, meint Hofmann. "In Produktion in Deutschland wird nicht mehr investiert."

In Rutesheim werden derzeit Lambdasonden für Katalysatoren und Sensoren zur Abgasnachbehandlung hergestellt. Ab kommenden Jahr soll die Produktion an den größten Bosch-Standort in der Region umziehen. 2019 sollen dann in Rutesheim endgültig die Lichter ausgehen. Über die Zukunft des Bosch-eigenen Geländes führe man bereits Gespräche, sagt Hofmann. Bis Jahresende soll eine Grundsatzentscheidung im Gemeinderat gefällt werden. Angesichts der Lage kommt vor allem ein neues Wohngebiet infrage.

Den Ausfall der Gewerbesteuer kann Rutesheim nach Aussage des Stadtoberhauptes verkraften. Die Stadt sei nicht so abhängig wie manche Nachbarkommune. Schwerer wiege der Wegfall der Jobs.