Solch einen Andrang hatte selbst Auktionator Thomas Leon Heck selten erlebt. Die Leute stürmten die Seebruckenmühle im Siebenmühlental bei Leinfelden-Echterdingen. Dort versteigerte Heck den Nachlass des Malers Hans Hahn-Seebruck. Rund 300 Kunstliebhaber gaben sich innerhalb weniger Stunden die Klinke in die Hand. Sie kamen nicht nur zum Gucken, die meisten von ihnen erwarben auch Teile aus der Sammlung des Künstlers. Zwischen fünf und 500 Euro waren den Interessenten die Erinnerungsstücke wert.

Hans Hahn-Seebruck war ein hohes Alter vergönnt. "Wer Kunst lieben kann, bleibt gesund ein Leben lang", lautete seine Devise. 2014 starb er im Alter von 93 Jahren. Man kannte ihn in der Gegend. Fast 80 Jahre lang lebte der gebürtige Gültsteiner in der ehemaligen Mühle. In den 30er Jahren hatten seine Eltern das Anwesen gekauft. Bei einem Luftangriff wurde es jedoch zerstört. Vater Johann Hahn baute das Gehöft wieder auf, in dem der Sohn bis zuletzt lebte. Die enge Verbundenheit zur Seebruckenmühle unterstrich der Künstler später noch, indem er in seinen Namen den Zusatz "Seebruck" aufnahm.

Die Mühle diente als Wohnhaus und Galerie, außerdem gehörte zu dem Anwesen eine Gaststätte. Mit dem Erlös des Gastronomiebetriebs und dem Verkauf seiner Werke bestritt Hans Hahn-Seebruck seinen Lebensunterhalt. Rechnungen beglich er gerne mal mit Bildern, was wiederum seinen Bekanntheitsgrad förderte.

Im Moment lagern noch an die 2000 Bilder, Grafiken und Skulpturen im Atelier des Künstlers, außerdem über 100 Druckstöcke für Holzschnitte. Viele seiner Werke entstanden in den 50er Jahren. Denn nachdem Hans Hahn-Seebruck eine Lehre als Dekorationsmaler an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart absolviert hatte, begab er sich erst einmal auf "künstlerische Wanderschaft". Er lebte mehrere Jahre in Spanien, davon zwei Jahre in Madrid, dann in Italien, Paris und auf dem Balkan. Die farbenfrohen Ölbilder aus jener Zeit sind das Resultat dieser Reisen und Begegnungen, die Hahn-Seebruck in seinen Landschaftsbildern, Portraits und Stillleben festhielt. Viele Gemälde tragen Züge der impressionistischen und später auch der expressionistischen Stilrichtungen.

Auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen kaufte. Sie erweiterte ihren Hahn-Seebruck-Bestand auf insgesamt mehr als 60 Werke. Außerdem übernimmt sie die Briefe und Aufzeichnungen des Malers ins Stadtarchiv.

Für Kunstinteressierte besteht am Samstag und Sonntag jeweils zwischen 10 und 16 Uhr nochmals Gelegenheit, in der Seebruckenmühle den Nachlass von Hans Hahn-Seebruck in Augenschein zu nehmen.

Danach wird Auktionator Heck den Rest der Sammlung in Dußlingen bei Tübingen einlagern. Die Seebruckenmühle aber wird auf Wunsch der Erben, die in den USA leben, verkauft.