Mobilität Ruftaxi ergänzt Bus und Bahn

13 Minivans sind in drei Zonen unterwegs.
13 Minivans sind in drei Zonen unterwegs. © Foto: SSB/Moovel
Stuttgart / Uwe Roth 05.06.2018

Die Mobilitätsangebote in der Landeshauptstadt werden immer bunter: Mitte Mai ist die S-Bahn Stuttgart mit ihrem Ruftaxiprojekt „Clevershuttle“ gestartet. Nun zog die Stuttgarter Straßenbahn (SSB) AG mit „SSB Flex“ nach. In beiden Fällen bestellt der Fahrgast das öffentliche Verkehrsmittel mit einer App auf seinem Smartphone zu einem bestimmten Treffpunkt, wo er dann zusteigt. Der klassische Fahrplan ist damit hinfällig, ein Haltestellenplan überflüssig. Vorständin Stefanie Haaks nannte „SSB Flex“ am Montag „einen neuartigen Mobilitätsservice“.

Im Stadtgebiet soll dieser die „weißen Flecken“ des Liniennetzes der SSB abdecken. Degerloch und der östliche Teil von Cannstatt sind solche Gebiete, in denen Fahrgäste einen längeren Fußweg bis zur nächsten Stadtbahn- oder Bushaltestelle haben. Beide Bezirke wurden aus diesem Grund für das am 1. Juni gestartete Pilotprojekt ausgesucht. Mit dem neuen Angebot soll die Wegstrecke von der Wohnung zum nächsten Haltepunkt maximal 200 Meter betragen. „Das ist zumutbar“, ist Haaks überzeugt. Um „SSB Flex“ attraktiv zu machen, ist die Innenstadt in das Angebot einbezogen. Damit ist eine durchgängige Linie entstanden, die Degerloch mit Cannstatt verbindet.

Statt Busse befahren 13 Minivans diese drei Zonen. Die App kommt von der Daimler-Tochter Moovel, die man sich aufs Smartphone laden muss. Nachdem man sich registriert hat, kann man Start und Ziel eingeben. Die App teilt mit, in wie viel Minuten ein Van in die Nähe des Fahrgasts kommt. Insgesamt 3000 Treffpunkte sind im Streckengebiet eingerichtet. Das Programm gibt an, wo der Van hält, und nennt den Fahrpreis. Er entspricht nicht dem VVS-Tarif und beginnt bei 2,20 Euro. Wer ein Tages- oder ein Zeitticket hat, bekommt aber eine Vergünstigung. Ansonsten ist der Fahrpreis abhängig von der Fahrstrecke und der Anzahl der Mitfahrer.

Das Programm berechnet zudem Alternativen mit Bus oder Bahn sowie deren Fahrpreise und Fahrtdauer. Der Fahrgast kann sich somit das für ihn passende Angebot aussuchen. Er wird laufend informiert, ob ihn der Van pünktlich abholt oder dieser vielleicht in einem Stau hängengeblieben ist. „SSB Flex“-Fahrer sind montags bis samstags von 6 bis 21 Uhr unterwegs und donnerstags bis samstags zusätzlich von 21 bis 2 Uhr des Folgetages.

Moovel hat das System ein halbes Jahr in Stuttgart erprobt. Nach Firmenangaben haben rund 20 000 Personen das während der Testphase kostenlose Angebot wahrgenommen. 12 000 Mal wurden die Fahrzeuge gebucht, 6600 Fahrgäste haben sich registriert. Die SSB hofft nun, dass die Kunden dabei bleiben, auch wenn das Angebot jetzt kostet, und sich die Fahrgastzahl steigern lässt. Bis in einem Jahr soll die Entscheidung fallen, ob der Probebetrieb dauer­haft in das Angebot der SSB aufgenommen wird.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel