Mercedes Rennfieber im Museum

Manchmal ist vor dem Rennen warten angesagt: Im Mercedes-Benz-Museum bildet sich eine Traube um die vier E-Racing-Sitze. Das virtuelle Autorennen ist vor allem bei Jugendlichen beliebt. Fürs Finale kann man sich noch bis 24. Juni qualifizieren.
Manchmal ist vor dem Rennen warten angesagt: Im Mercedes-Benz-Museum bildet sich eine Traube um die vier E-Racing-Sitze. Das virtuelle Autorennen ist vor allem bei Jugendlichen beliebt. Fürs Finale kann man sich noch bis 24. Juni qualifizieren. © Foto: Bild: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Tilman Baur 18.06.2018

Schnurgerade hat David Kiss beide Arme ausgestreckt, seine Hände umklammern das Lenkrad. Das Kinn liegt fast auf der Brust auf, seinen Körper stemmt er gegen die Rückenlehne des Fahrersitzes. Der Motor dröhnt. Kiss reißt das Lenkrad ruckartig rum – und landet im Kiesbett. Trotz aller Konzentration wird er keine gute Rundenzeit fahren. Das Kiesbett, in dem der 40-jährige Geschäftsmann aus Ungarn landet, ist ein virtuelles. Es ist Teil des Hockenheimrings, den Besucher des Mercedes-Benz-Museums beim E-Racing-Wettbewerb absolvieren können.

Noch bis zum 24. Juni stehen am Ausgang des Museums vier „Driver Seats“, Fahrersitze also, auf denen Besucher ihre virtuellen Fahrkünste testen können. Das Angebot kommt an: Zeitweise bildet sich eine Menschentraube um die vier Sitze mit den Monitoren.

Einen legendären Wagen fahren

Es sind überwiegend Jugendliche, die im Museum versuchen, beim virtuellen Rennen Top-Zeiten hinzulegen. Sie melden sich per Touchscreen an, indem sie ihre E-Mail-Adresse hinterlegen. Daraufhin teilt ihnen das System einen Platz zu. Auf einem Bildschirm in der Mitte sind die bisherigen beeindruckenden Rekordzeiten verzeichnet.

„Es macht eine Menge Spaß, aber ich habe es mir ganz anders vorgestellt“, sagt David Kiss. Zuhause habe er selbst einen Mercedes-AMG stehen. Rennen fahre er aber keine. „Das Handling ist ganz anders als hier. Ob das realistisch ist, kann ich nicht beurteilen. Da muss man einen Rennfahrer fragen“, sagt Kiss. In einem Punkt aber ist sich der 40-Jährige sicher: „Um da eine gute Zeit zu fahren, musst du viele Stunden reinstecken.“

Das virtuelle DTM-Rennen fahren die Besucher mit dem Mercedes-AMG Evolution II des legendären deutschen Tourenwagenfahrers Klaus Ludwig. Der Modus gleiche dem eines Qualifyings auf dem realen Hockenheimring in allen Details, so die Veranstalter.

Abgesehen von David Kiss ist der E-Racing-Bereich an diesem Vormittag fest in der Hand junger Museumsbesucher. Einer davon ist der 16-jährige Mehdi. Der Fellbacher kennt Rennspiele bislang nur von der Konsole. „Hier ist es was ganz anderes, die Lenkung zum Beispiel ist viel realer.“ Wenn man auf die Fahrbahnbegrenzung fahre, spüre man den Widerstand am Lenkrad, so Mehdi. Das sensiblere Handling mache die Sache schwerer, aber „witzig“ sei es trotzdem, meint der Schüler. An seine Bestzeit kann er sich nicht erinnern. „Unter den besten Sieben jedenfalls war sie nicht“, sagt Mehdi.

Die Zeit von einer Minute und 48 Sekunden gilt es zu schlagen, um sich unter die besten sieben Fahrer zu mischen. Mit einer Minute und 43 Sekunden hält bislang Tim Heinemann die Pole Position. Er ist Teil der internationalen E-Racer-Community – eine fest verschworene Gemeinde von Könnern, die einen Großteil ihrer Freizeit der virtuellen Fahrerei widmen.

Für die 17-jährige Sabrina liegen solche Zahlen in weiter Ferne. „Meine beste Runde war drei Minuten“, sagt sie und lacht. „Es ist schwer, ins Rennen rein zu finden, macht aber trotzdem großen Spaß.“

Wer es in die Top 7 schafft, darf am 8. Juli im Museum in der Endausscheidung antreten. Als Special Guest kommt DTM-Fahrer Christian Vietoris vorbei und mischt sich unter die eRacer. Das Event, das im Rahmen des Familientags des Mercedes-Benz-Konzertsommers stattfindet, wird per Livestream übertragen. Der Gewinner des Museums-Events qualifiziert sich dann wiederum fürs DTM-Finale, das im Oktober am Hockenheimring stattfindet, und spielt im großen E-Racing Finale gegen die Creme de la Creme der virtuellen Rennfahrerwelt. Ein Treffen mit den DTM-Fahrern ist inklusive.

DTM-Profis sind übrigens nicht zwangsläufig begnadete Fahrer auf der virtuellen Strecke: „Die richtigen Fahrer schauen meistens ganz schön alt aus, wenn sie gegen die E-Racer antreten“, sagt Museumsmitarbeiter Andrej Kluge. Wer sich vom ungleichen Duell ein eigenes Bild machen will, kann das am 8. Juli im Mercedes-Benz-Museum tun.

Mitmachen bei der virtuellen Rennserie

AMG Die Firma Mercedes-AMG aus Affalterbach ist eine Tochtergesellschaft des Daimler-Konzerns und entwickelt die Höchstleistungsfahrzeuge von Mercedes.

DTM Die Mercedes-AMG Motorsport E-Racing Competition ist eine virtuelle Rennserie, die sich an Autos und Strecken der Rennserie DTM (ehemals Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) orientiert.

Mitmachen Wer sich noch selbst fürs Finale am 8. Juli qualifizieren oder einfach nur Spaß beim eRacing haben will, kann noch bis zum 24. Juni fahren. Die Fahrersitze befinden sich in einem öffentlichen Bereich auf Ebene 2. Eine Eintrittskarte fürs Museum wird nicht benötigt. tjb

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