ÖPNV Relex-Busse: Noch viel Luft nach oben

Von Dominique Leibbrand 10.06.2017

Ein halbes Jahr nach ihrer Einführung werden die drei Relexbus-Linien, die in der Region Stuttgart verkehren, noch nicht so angenommen, wie sie sollten: An Werktagen seien im Schnitt pro Bus zehn Fahrgäste unterwegs, teilt der Leitende Direktor des verantwortlichen Verbands Region Stuttgart (VRS), Jürgen Wurmthaler, auf Anfrage mit. Platz böten die blaue Gefährte eigentlich für mindestens 30 Personen.

Eine Markstudie hatte vor dem Start der drei Linien zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 für den Anfang ein Fahrgastaufkommen von 500 Mitfahrenden pro Tag und Linie prophezeit. Rechnet man Wurmthalers Angaben hoch, kommt man im Schnitt nur auf 260 Fahrgäste pro Werktag und Linie. Zur Nachfrage an den Wochenenden nennt Wurmthaler keine konkreten Zahlen, räumt aber ein, dass da noch weniger Fahrgäste unterwegs seien, das sei erfahrungsgemäß im gesamten öffentlichen Nahverkehr so. Generell unterliege das Fahrgastaufkommen in den Relexbussen großen Schwankungen. Sind etwa auf der Messe Veranstaltungen, müssen auch mal Zusatzbusse eingesetzt werden.

Beim VRS, der in der Region Stuttgart auch für die S-Bahn zuständig ist, ist es für Krisenstimmung angesichts der Zahlen noch zu früh. Natürlich wünsche man sich mehr Fahrgäste, so Wurm­thaler. Zum einen aber brauchten neue Angebote im ÖPNV immer eine Weile, bis sie sich etabliert hätten, und zwar zwei bis drei Jahre. Zum anderen handle es sich bei seinen Angaben nicht um statistisch abgesicherte Zahlen, sondern erste Erhebungen.

Genauere Angaben, beispielsweise auch zur Zusammensetzung der Fahrgäste, soll es Ende des Jahres geben: Im Herbst wird der Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbund (VVS) Befragungen in den Relexbussen starten. Ende des Jahres könne man sicher mehr sagen, betont Wurmthaler.

Die Relexbusse wurden im vergangenen Jahr als Teil des ÖPNV­-Pakts auf die Straße gebracht. Dieser sieht vor, dass der Anteil von Bus und Bahn in der Region Stuttgart bis zum Jahr 2030 signifikant erhöht wird. Die teilweise stark gefragte Stuttgarter S-Bahn soll durch die Relexbusse entlastet werden, die als Querverbindungen mit nur wenigen Halts Mittelzentren und wichtige Knotenpunkte ansteuern.

Fünf Linien sind im Pakt zunächst vorgesehen, für drei davon fiel im Dezember der Startschuss. Sie verkehren zwischen Kirchheim/Teck und Flughafen/Messe (Linie X10) beziehungsweise Leonberg und Flughafen/Messe (X60) sowie Waiblingen und Esslingen (X20). Die Kosten liegen zunächst bei knapp 2,5 Millionen Euro jährlich. VRS und Land teilen sie untereinander auf. Fahrgeldeinnahmen sollen ebenfalls einen Beitrag leisten.

Überraschend sei, so Wurmthaler, dass die Linien X10 und X20 etwas besser als die X60 angenommen würden. Letztere Linie hält an der Universität, eigentlich ein wichtiger Stopp mit Fahrgastpotenzial. Auf der Strecke gebe es jedoch auch weniger Haltepunkte als auf den anderen, was die geringere Nachfrage womöglich erklären könne.

Mit Blick auf die Pünktlichkeit spricht Wurmthaler von einem stabilen Verkehr, was nicht bedeute, dass man sich mit der Stopp­uhr daneben stellen könne. In der Stauregion Stuttgart auf die Minute pünktlich zu kommen, sei nicht immer möglich und von Faktoren wie Baustellen abhängig. Die Fahrgäste bekämen dafür mehr Komfort geboten, was offenbar immer wieder Leute überzeuge, statt der S-Bahn den Bus zu nutzen, so seine Beobachtung.

Direkten Handlungsbedarf sieht der VRS derzeit zwar nicht. Mehr Werbung kann jedoch nicht schaden.  „Da verlassen wir uns auf den VVS“, sagt Wurmthaler. Der Verkehrsverbund preist die Relexbusse aktuell als gute Alternative für Pfingst­reisende an, die zum Flughafen wollen. Zwischen Kirchheim und dem Flughafen spare man im Vergleich zur S-Bahn 43 Minuten, zwischen Leonberg und Flughafen 21 Minuten.

Weniger Zonen, mehr Komfort

Konzept Entspannung soll in den Relexbussen Programm sein. So sind die blauen Gefährte besser als normale Linienbusse ausgestattet, verfügen etwa über verstellbare Sitze, Leselampen, kostenfreies WLAN und USB-Steckdosen.

Preise Die Busse fahren zum VVS-Tarif und schaffen direkte Verbindungen, die es so vorher nicht gab. Auf allen Strecken spart man sich das Geld für mindestens eine Zone im Vergleich zu früheren Verbindungen.

Abfahrtszeiten Werktags verkehren die Busse zwischen 5 und 24 Uhr im Stundentakt, in den Stoßzeiten zwischen 6.30 und 8.30 Uhr sowie 15.30 und 17.30 Uhr halbstündlich. Wochenends geht’s morgens später los. dl