Stuttgart / OLIVER SCHMALE  Uhr
Der Bau des Rosensteintunnels ist in Stuttgart umstritten: Anwohner an der Pragstraße, die schlechtere Luftwerte erwarten, könnten klagen.

Ob Pendler oder Stuttgarter: Wer das tägliche Verkehrschaos rund um die Wilhelma kennt, sehnt den im Bau befindlichen Rosensteintunnel herbei. Der Bypass soll die Kreuzung um die Rosensteinbrücke deutlich entlasten. Doch direkten Anliegern ist die unterirdische B-10-Verbindung vom Neckar hoch bis fast zum Löwentor ein Dorn im Auge. Die Wohnungsbesitzer an der oberen Pragstraße, wo der Tunnel wieder ans Licht kommt, fürchten mehr Verkehr und Dreck, da die Strecke für Autofahrer attraktiver wird.

Drei Gebäude liegen in einem Bereich, in dem laut einem Gutachten künftig die Luftschadstoffe so hoch sein werden, dass sie für die Bewohner unzumutbar sein werden - unter anderem wegen Stickstoffdioxids. Die Lösung der Stadt: Sie will die Häuser kaufen und abreißen. Der Haken ist, dass sich die Angelegenheit in Länge zieht und Anwohner wegen der Luftschadstoffe klagen können. Eine Sprecherin der Stadt erklärte, es werde gerade mit den Wohnungseigentümern in den drei Gebäuden gesprochen. "Insgesamt geht es um den Erwerb von 27 Wohnungen. 13 Wohnungen konnten bereits erworben werden."

Zudem sollen zwei weitere direkt angrenzende Gebäude gekauft werden. Doch am Wert dieser Häuser hat sich ein Streit entzündet. Die Kommune hat den Eigentümern offenbar ein Angebot unterbreitet, das die für nicht ausreichend erachten. 2013 stand einmal ein Betrag von durchschnittlich 1500 Euro pro Quadratmeter im Raum. Doch in den vergangenen Jahren sind die Preise auch für einfachere Eigentumswohnungen in der Landeshauptstadt stark gestiegen. Die Stadt will dazu keine Stellung nehmen. Auf die Frage nach Unstimmigkeiten sagt die Sprecherin, dass man sich über die laufenden Gespräche nicht öffentlich äußere. Fakt sei: "Der Erwerb kann nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Dass heißt die Wohnungseigentümer müssen auch verkaufsbereit sein."

Das Projekt Rosensteintunnel ist derweil auch politisch umstritten. Die Grünen im Gemeinderat hatten dagegen gestimmt. Hinzu kommt, dass die Realisierung des Tunnels teurer als ursprünglich geplant wird. Der derzeitige Kostenstand beträgt 274,62 Millionen Euro. Die Arbeiten am bergmännischen Vorbau laufen indes planmäßig. Im Mai oder Juni dieses Jahres wird der Tunneldurchschlag an der Pragstraße vollzogen. Im Sommer folgt die planmäßige Inbetriebnahme der Haltestelle Wilhelma.

Anfang 2020 soll das Straßenbauprojekt fertig sein. Danach beginnt der Rückbau der Verkehrsflächen in der Prag- und Neckartalstraße. Die Kommune hat also noch vier Jahre Zeit, das Problem zu lösen.