Kultur Pop, Ekstase und ein Meister

In der Staatsgalerie läuft seit Kurzem die Schau „Meister von Messkirch“. 2018 feiert das Haus 175. Geburtstag.
In der Staatsgalerie läuft seit Kurzem die Schau „Meister von Messkirch“. 2018 feiert das Haus 175. Geburtstag. © Foto: Foto
Stuttgart / Barbara Wollny 27.12.2017

Im April wird das neue Stuttgarter Stadtmuseum im Wilhelmspalais offiziell eröffnet, nachdem dort bislang mehrere Veranstaltungsreihen über die Bühne gegangen sind. Doch das soll nicht der einzige kulturelle Glanzpunkt im Jahr 2018 werden. Was die größten Stuttgarter Museen im neuen Jahr zu bieten haben – ein Überblick.

Porsche-Museum 2018 werden sich die Freunde des sportlichen Fahrens ganz sicher nicht die Jubiläumsausstellung „70 Jahre Porsche Sportwagen“ entgehen lassen. Die umfangreiche Geburtstagsschau startet am 9. Juni. Noch bis Anfang April ist zudem die Sonderschau zur legendären 911-Serie zu sehen. Dabei wird einer der ältesten Elfer gezeigt. Das rote Coupe wurde zufällig in einer Scheune entdeckt.

Mercedes-Benz-Museum Eines ist jetzt schon sicher: Auch 2017 wird es wieder einen neuen Rekord geben geben. Schon Anfang Dezember hatte das Mercedes-Museum 819 000 Besucher gezählt, so viele wie im gesamten Jahr 2016. Ein Erfolgsrezept scheint zu sein, dass nicht nur das Auto im Fokus steht, sondern – wie in der Ausstellung „Ey Alter“ – gesellschaftlich  relevante Themen aufgegriffen und präsentiert werden. Auto pur wird dagegen in der AMG-Sonderausstellung geboten, die noch bis Anfang April läuft. Ab dem 9. September wird das Museum zur Fanmeile: Fußballfreunde können sich auf die Kooperationsausstellung der beiden Nachbarn VfB und Mercedes zum Thema 125 Jahre „Verein  für Bewegungsspiele Stuttgart“ freuen.

Landesmuseum Dass sich ein Kind schreiend auf den Boden wirft, weil es das Museum nicht verlassen will, kommt selten vor. Doch die große „Ritter“-Mitmachausstellung, die noch bis Anfang April läuft, fasziniert Eltern und Kinder gleichermaßen und füllt eine Lücke. „Kindermuseen gibt es – anders als in den USA – in Deutschland nur sehr wenige“, sagt Direktorin Cornelia Ewigleben, „obwohl Kinder gerade in diesem Alter höchst interessiert und lernbegierig sind.“ Kriegerisch geht es im Oktober weiter mit einer Schwerter-Ausstellung. „Schwerter haben gerade für jüngere Menschen eine hohe Faszinationskraft und sind in Spielen oder Filmen allgegenwärtig“, hat Ewigleben gemerkt. Neu ist, dass 2018 der Eintritt zur Dauerausstellung kostenlos ist. „Wir sind gespannt, wie sich das auf unsere Besucherzahlen auswirkt.“

Naturkundemuseen Nachdem die Naturkundemuseen 2017 mit einem Außerirdischen Schlagzeilen machten – in einem  Gesteinsblock wurden erstmals in Baden-Württemberg Reste eines Meteoriten gefunden, die seitdem im Meteorkrater-Museum in Steinheim am Albuch zu sehen sind –, wird die Attraktion für Naturfreunde 2018 die Große Landesausstellung zu „Leben im Bernsteinwald“ sein. Sie ist im Haus am Löwentor von Oktober bis Mai zu sehen. In Bernstein – einem aus Pflanzen erzeugten Harz – eingeschlossene Pflanzen oder Tiere sind bis ins kleinste Detail erhalten. So werden ein Frosch, eine Vogelfeder und viele andere einzigartige Stücke zu bewundern sein. Die Bernsteinsammlung in Stuttgart zählt zu den zehn bedeutendsten der Welt.

Lindenmuseum Bis Mai entfaltet die Inselgruppe „Hawai’i“ ihre Faszination im Völkerkundemuseum. Dazu werden Workshops, Kurse und Konzerte zu Musik, Schmuck und Körperkunst der Königsinseln im Pazifik veranstaltet. Ab Juli aber bleibt man „In Stuttgart zu Hause“. In dem Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung realisiert wird, beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit den Themen Identität und Diversität der Stadtgesellschaft. 2017 war derweil für das Lindenmuseum ein erfolgreiches Jahr: Mit 70 000 Besuchern kamen 3500 mehr als im Vorjahr.

Haus der Geschichte Protest, Popkultur und Miniröcke: Bis Juni zeigt das Landesmuseum, wie die bewegten 60er Jahre das Leben im Südwesten durcheinanderwirbelten: „Denn die Zeiten ändern sich“ heißt die Schau und dokumentiert dies mit historischen Bild-, Film- und Tondokumenten. Am 30. September startet dann die Große Landesausstellung zum „Anfang der Demokratie im Südwesten“. Sie zeigt die mühsamen Schritte zu einem demokratischen Staat in Baden und Württemberg in den Jahren 1918 bis 1924.

Staatsgalerie Erst seit wenigen Tagen sind die Kunstwerke des „Meisters von Messkirch“ zu bewundern. Doch die große Landesausstellung bleibt nicht der einzige Höhepunkt. Sonderschauen sind geplant zu dem expressionistischen Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, Ernst Ludwig Kirchneer, Marcel Duchamp und zum 175-jährigen Bestehen des Hauses selbst.

Kunstmuseum Ekstase und Stuttgarter Ansichten – das Kunstmuseum am Schlossplatz bietet 2018 eine große Bandbreite. Von ungebrochener Aktualität sind die Werke Reinhold Nägeles. Der auch als Chronist von Stuttgart bekanntgewordene Künstler entwickelte einen eigenen Stil, mit dem er die sich verändernde Stadt Stuttgart und ihre Umgebung dokumentierte. Vor dem Hintergrund heutiger Stuttgarter Bauvorhaben erweisen sich Nägeles Bilder, die von Januar bis Juni zu sehen sind, von ungebrochener Aktualität. Im September öffnet dann die große „Ekstase“-Sonderausstellung: In zehn Räumen widmet sich die Schau dem Phänomen des Außer-Sich-Seins und zeigt, wie sich bildende Künstler, Musiker und Tänzer damit auseinandersetzten.

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Serienstart: Was in Stuttgart wichtig wird

Neues Jahr, neues Glück: Was 2018 in Stuttgart wichtig wird, beleuchten wir in einer Serie. Gleich zwei große Jubiläen stehen im kommenden Jahr beispielsweise an: Der Cannstatter Wasen wird 200 Jahre alt, und auch die Universität Hohenheim feiert 200. Geburtstag. Wie geht es weiter mit Fahrverboten und Feinstaub, welche städteplanerischen Projekte hat die Stadt im Auge und warum wird um das König-Katharina-Stift so viel diskutiert, sind weitere Fragen, die wir beantworten wollen. Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit den kulturellen Highlights 2018. dl

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