Razzia Polizeieinsatz im „Linken Zentrum“

Stuttgart / Daniel Grupp 05.12.2017

Mit einer Ramme hat sich die Polizei am frühen Dienstagmorgen Zutritt zu einer Wohngemeinschaft im „Linken Zentrum Lilo Herrmann“ in Stuttgart-Heslach verschafft. Der vom Landeskriminalamt (LKA) geleitete Einsatz ist Teil einer bundesweiten Aktion, die darauf zielte, Erkenntnisse über mögliche Gewalttäter beim G20-Gipfel im Hamburg zu gewinnen. Neben dem „Lilo“ wurden in Stuttgart und in Dettingen unter Teck (Kreis Esslingen) zwei weitere Wohnungen durchsucht. Es sei gegen einzelne Tatverdächtige ermittelt worden, erklärt ein LKA-Sprecher. Zwar wurden Gegenstände sichergestellt, es kam aber laut Polizei zu keinen Verhaftungen. Zur Zahl der eingesetzten Kräfte sagte der Sprecher: „Stark genug, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.“

Im „Lilo“ gibt es neben Büros verschiedener Gruppierungen, ein Café und zwei Wohngemeinschaften. Ein Zentrumssprecher berichtet, dass die Polizei um 6 Uhr das „Lilo“ „mit einer filmreifen Inszenierung“ gestürmt habe. Es sei aber das Zimmer von nur einer Bewohnerin durchsucht worden. Die Aktivisten sehen in der Razzia den Versuch, von den „polizeilichen Übergriffen“ während des G-20-Gipfels abzulenken. Das „Lilo“ hatte nach eigener Darstellung im Vorfeld des Gipfels zum Protest gegen das Treffen der Staatschefs in Hamburg  aufgerufen. Der Polizeieinsatz wird auf der Internetseite des „Lilo“ als „Angriff auf unser Zentrum und die politische Linke in Stuttgart“ bezeichnet. Am Abend kamen zur Kundgebung auf dem Rotebühlplatz rund 70 Teilnehmer. 

Zu der Veranstaltung mit Rap-Musik hatten verschiedene Gruppierungen aufgerufen, die im Zentrum Büros haben. Darunter seien die Gewerkschaftsjugend, Verdi und die Linkspartei, berichtet ein Zentrumssprecher. Die verschiedenen Redner warfen der Polizei vor, mit den Hausdurchsuchungen vom eigenen Fehlverhalten ablenken zu wollen. Redner fragten, wieso die Ermittler ihre Kräfte nicht darauf konzentrierten, die vielen abgetauchten Neonazis zu suchen.