Stuttgart / Melissa Seitz

Donnerstag, 7.30 Uhr, in der Forststraße im Stuttgarter Westen: Polizeiwagen mit circa hundert Beamten rücken an, versperren die Straßen. Polizisten positionieren sich in den Hauseinfahrten, ein Lkw der Abfallwirtschaft Stuttgart hält vor der Hausnummer 140. Nach und nach versammeln sich auch Demonstranten mit roten Bannern, auf denen die Aufschrift „Wohnraum statt Kapitalismus“ zu sehen ist, an den Absperrungen. Am heutigen Donnerstag hat die Polizei das besetzte Haus in der Forststraße 140 geräumt.

„Hausbesetzung ist Hausfriedensbruch“, sagt Stefan Keilbach vom Polizeipräsidium Stuttgart. Nach einigen gescheiterten Vermittlungsversuchen zwischen den Hausbesetzern und den Vertretern der Eigentümerin hat die Stadt eine Allgemeinverfügung erlassen. Die Polizei setzte diese um.

Fünf Personen im Alter zwischen 18 und 56 Jahren befinden sich bei Eintreffen der Beamten im Gebäude. Einfach ergeben wollen sie sich nicht: „Wir standen heute Morgen vor verschlossener Tür, hatten zum  Glück aber gleich den Schlüsseldienst dabei“, sagt Keilbach.

Nach und nach werden die Besetzer aus dem Haus geführt. „Ohne Widerstand und ohne Gewalt“, so der Polizeisprecher. Scheu zeigen die Aktivisten nicht, sie schauen in die Kameras der Pressevertreter und sprechen mit Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke/Plus). Den Medienrummel sind sie aus den vergangenen Wochen gewohnt und sie genießen ihn. Das zeigt auch eine Pinnwand, die die Möbelpacker während der Räumung aus dem Haus und in den Lkw hieven: Fein säuberlich haben die Aktivisten alle Zeitungsartikel über die Besetzung aufgehängt. Für Aufsehen haben sie auf jeden Fall gesorgt.

Innerhalb von zwei Stunden ist das Haus leer, niemand befindet sich mehr im Gebäude. Die Rollläden im Erdgeschoss werden heruntergelassen. Nach und nach entfernen Beamte auch die Flyer und Banner, die die Hausbesetzer an das Gebäude gehängt hatten. Als der letzte Aktivist mit dem Auto der Kripo die Forststraße entlang gefahren wird, erhitzt sich die Stimmung kurz. Die Demonstranten wollen ihre Blockade nicht lösen. Die Polizisten müssen sie mit Kraft zur Seite schieben. Die Anhänger der Besetzer zeigen sich unbeeindruckt.

Die Eigentümerin hat Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet. Die Ermittlungen dazu dauern an. Nach der Räumung begannen Handwerker sofort mit dem Einbau neuer Schlösser sowie mit weiteren baulichen Sicherungsmaßnahmen.