Bildung Pilotprojekt: Kinder turnen „Super Mario“ nach

Erst wird gespielt, dann Sport gemacht.
Erst wird gespielt, dann Sport gemacht. © Foto: Jürgen Schmidt
Stuttgart / Jürgen Schmidt 24.11.2017

Gespannt schauen die Zweitklässler auf den Bildschirm, auf dem „Super Mario“  rennt und springt. Plötzlich gibt der Junge, der die Video-Spielfigur bisher gesteuert hat, das Tablet weiter, springt von der Matte auf und rennt auf ein aufgestelltes Turnpferd zu.

Was an diesem Vormittag in der Turnhalle der Stuttgarter Rosensteinschule abläuft, ist für eine deutsche Grundschule fast schon revolutionär. Denn Dozenten und Studenten der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg erproben gemeinsam mit den Kindern der Klasse 2 a, wie sich die virtuelle und die reale Welt im Sportunterricht verknüpfen lassen. Erst spielen die Kinder am Tablet, bis sie ein Level geschafft haben, übergeben das digitale Staffelholz dann an einen ihrer Teamkameraden und absolvieren im Anschluss einen Hindernisparcours in der Turnhalle.

Das Besondere ist allerdings nicht nur, dass Computergames überhaupt den Weg in den Unterricht finden, sondern dass sie auch die Vorlage für das Bewegungsprogramm liefern. Denn die Kinder haben sich den Hindernisparcours selbst ausgedacht, mit Marios Welt als Vorlage. Sportdidaktik-Dozentin Anja Marquardt von der PH Ludwigsburg, die das Konzept entwickelt hat und nun mit Studenten praktisch umsetzt, ist begeistert, wie sich die Schüler von dem digitalen Helden anregen lassen. „Die Kinder trauen sich viel mehr zu als sonst“, sagt sie mit Blick auf den realen Parcours.

Die Verknüpfung von Games und Bewegung im Sportunterricht ist Teil eines umfassend angelegten Pilotprojektes „Digitales Lernen Grundschule“, an dem die Ludwigsburger PH als eine von sechs deutschen Hochschulen beteiligt ist. Fachdidaktiker und Medienpädagogen arbeiten gemeinsam an Konzepten, wie sich digitale Medien sinnvoll in den Grundschulunterricht integrieren lassen und erproben sie an der Rosensteinschule.

Dass „Super Mario“ Einzug in die Turnhalle  hält, kann sich die Klassenlehrerin der 2 a, Celine Heine, durchaus vorstellen, wenn auch nicht im Alltag. Da dauere es zu lange, bis der Parcours aufgebaut sei. Aber in der Gesundheits- oder Projektwoche der Schule könne man das mit allen Klassen machen.