Stuttgart Pflege-WG speziell für türkische Senioren

Betreuen die neuen Pflege-WGs: die interkulturelle Beraterin Aysel Özdemir und Simone Hasenack vom Sozialmanagement der SWSG.
Betreuen die neuen Pflege-WGs: die interkulturelle Beraterin Aysel Özdemir und Simone Hasenack vom Sozialmanagement der SWSG. © Foto: Melanie Axter
Stuttgart / MELANIE AXTER 25.07.2015
Im Stadtteil Zuffenhausen-Rot entstehen zwei WGs für pflegebedürftige Senioren. Eine davon ist speziell für türkischstämmige Bürger konzipiert.

Integration wird in Stuttgart bekanntlich groß geschrieben. Das gilt auch für den Bereich Pflege. Mit der Gründung einer Pflege-Wohngemeinschaft für Menschen mit türkischen Wurzeln nimmt die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) nun nach eigener Aussage eine Pionierrolle ein. Die WG trägt den Namen "Emin Eller" (zu Deutsch: In sicheren Händen). "Als kultursensible Wohngemeinschaft wird sie vom Krankenkassen-Spitzenverband gefördert", erklärt ein Sprecher.

In türkischen Familien spitze sich das Pflegeproblem zu, sagt Simone Hasenack vom Sozialmanagement der SWSG: "Angehörige geben ihre Eltern ganz ungern ins Pflegewohnheim." Doch immer mehr türkische Frauen arbeiteten und seien daher mit der Pflege ihrer Eltern überfordert. "In der Pflege-WG sollen sich die türkischen Mitbürger zu Hause fühlen", ergänzt die interkulturelle Beraterin Aysel Özdemir. Ihre Aufgabe ist es, das neuartige Konzept in der türkischen Gemeinschaft zu vermitteln. "Die Feiertage werden geachtet, es wird türkisch gekocht, die Schuhe werden vor der Haustür ausgezogen", zählt Özdemir einzelne Aspekte auf. Für Demenzkranke, die in ihre Muttersprache zurückfielen, sei es zudem wichtig, Ansprache auf Türkisch zu haben.

Das Neubauprojekt, zu dem noch eine weitere selbstverwaltete Pflege-WG gehört, befindet sich in Zuffenhausen-Rot. Im Herbst soll alles fertiggestellt sein, erste Interessenten haben sich den Verantwortlichen zufolge schon angemeldet. Jeweils acht Senioren finden in den Wohngemeinschaften Platz. Als künftige Mieter leben diese in Einzelzimmern und teilen sich zu zweit ein Bad. Ein gemeinsamer Ess-Wohn-Bereich und eine Terrasse mit Garten gehören zu den rund 230 Quadratmeter großen Wohnungen dazu.

Das Mitbestimmungsrecht der Bewohner wird groß geschrieben. Kein Pflegeplan schreibt vor, wann man zu Bett geht oder morgens aufsteht. Die WG-Bewohner oder deren Angehörige bilden eine Auftraggebergemeinschaft. Sie entscheidet, welcher Pflegedienst in Anspruch genommen wird, wann die Essenszeiten sind oder wie die Wohngemeinschaft eingerichtet wird. Den Pflegedienst können die WG-Bewohner mit den Krankenkassen abrechnen. Ein Alltagsbegleiter soll Aufgaben im Haushalt übernehmen und darauf achten, die Bewohner einzubinden.

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