Themen in diesem Artikel

United Tribuns
Stuttgart / Dominique Leibbrand  Uhr

Kann ein Bordellbetreiber naiv sein, wenn es um die Beurteilung seines Gewerbes geht? Der einstige Chef der FKK-Club-Kette „Paradise“ nahm gestern in seinem Geständnis vor dem Landgericht Stuttgart genau das für sich in Anspruch. Er habe seine Großbordelle  mit dem Anspruch gestartet, „die Branche von Grund auf zu verändern“, sagte der 65-Jährige vor der 7. Großen Strafkammer und setzte hinzu: „Dass es anders kam, bedauere ich von Herzen.“

Anders kam es vor allem für die Frauen, die in den „Paradise“-Clubs anschaffen gingen. Denen wollte der ehemalige Bordell-Chef „angenehme Arbeitsbedingungen für ihren schwierigen Beruf“ schaffen. Doch faktisch wurden viele von Mitgliedern der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribuns“ zur Prostitution im „Paradise“ in Leinfelden-Echterdingen gezwungen. Das war bei der Beweisaufnahme des seit fast einem Jahr laufenden Strafprozesses deutlich geworden.

Dass der 65-Jährige Kontakte zu den beiden Gruppierungen pflegte, räumte der in der Boulevardpresse als Puffkönig titulierte Angeklagte in seiner selbst verlesenen Erklärung ein. Letztlich habe er sie auch gebraucht, um genügend „weibliche Gäste“, wie er die Prostituierten nannte, zu haben. Dass die Frauen auch in seinen Clubs von ihren Zuhältern misshandelt wurden, will er teils nicht mitbekommen, aber auch die Augen davor verschlossen haben. „Ich habe das billigend in Kauf genommen“, sagte er.

Ähnlich verhalten hatte zuvor der ehemalige Marketing-Chef der Bordell-Kette sein Geständnis formuliert, das er seinen Anwalt verlesen ließ.  Man müsse an einige Stellen findig sein, um ein Geständnis erkennen zu können, kommentierte der Vorsitzende Richter, Rainer Gless, die Einlassungen des 52-Jährigen.

Auch der dritte Angeklagte, ein vorbestrafter Rechtsanwalt und Steuerberater, gestand gestern seine Tatbeteiligung am Betrug von Investoren. Denen hatten die drei Männer mit geschönten Zahlen und hohen Renditeversprechen Geld für die Expansions-Pläne der Bordellkette aus der Tasche gezogen. Zu den Geschädigten gehört auch der frühere Manager von Michael Schumacher, Willi Weber.

Wie der Ex-Bordell-Chef, der seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt, zugab, sind weit über eine Million Euro an Darlehen oder Unternehmensbeteiligungen bis heute nicht zurückgezahlt. Er stritt aber ab, dass er das Geld von Anfang an für andere Zwecke habe abzweigen wollen. Er will blauäugig gewesen sein und an seine eigenen, zu optimistischen Prognosen für die Entwicklung seiner Clubs geglaubt haben.