Theater Nicht die neuesten, sondern die besten Stücke

Axel Preuß hofft, dass sein Programm für die Schauspielbühnen in Stuttgart beim Publikum gut ankommt.
Axel Preuß hofft, dass sein Programm für die Schauspielbühnen in Stuttgart beim Publikum gut ankommt. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Daniel Grupp 11.08.2018

Wir leben davon, dass unsere Abonnenten gerne kommen“ beschreibt Axel Preuß die Herausforderung, die sich den Schauspielbühnen in Stuttgart stellt. Das Theater mit den beiden Bühnen Altes Schauspielhaus und Komödie im Marquardt ist von einem Verein getragen und muss einen Großteil seiner Einnahmen über den Verkauf von Tickets erzielen. Vor etwas mehr als einem Jahr ist Preuß, der bisher in der Welt der Staatstheater heimisch war, zum Intendanten des Hauses mit Bühnen in der Kleinen Königsstraße und in der Bolzstraße berufen worden.

Bis Ende Juli arbeitete er als Diener zweier Herren: Als Schauspieldirektor am Badischen Staatstheater in Karlsruhe und als Intendant in Stuttgart. Seit Anfang April liege der Schwerpunkt der Arbeit eindeutig in Stuttgart, wo er einen Spielplan für die beiden Bühnen – von Klassikern bis zu Komödien – zusammengestellt hat, der den Ansprüchen eines „Publikumstheaters“, wie sich die Schaubühnen verstehen, gerecht werden soll. Dies bedeutet, experimentelle Stücke, die das Publikum verstören könnten, werden eher nicht auf die Bühnen kommen. „Wir spielen nicht die neuesten Stücke, sondern die besten“, erklärt Preuß, „Wir zeigen bekannte, hervorragende Theaterliteratur.“

In dieser Hinsicht setzt der neue Intendant mit Friedrich Schillers Maria Stuart am Beginn der Spielzeit ein Zeichen.  „Schiller beschreibt einen Justizskandal.“ Im Streit der beiden Königinnen beuge Elisabeth I. das Recht: „Es ist die Geschichte eines politischen Mordes aus reinem Machtkalkül“, sagt Preuß über das Politdrama, das am 14. September Premiere hat. Aber auch die Kommödie „Willkommen“ (Premiere am 26. Oktober), die vor dem Hintergrund des großen Flüchtlingszustroms zu sehen ist, und das Musical Hair, das am 7. Dezember Premiere hat,  setzten politische Akzente: Das Musical handle von Gegensatz zwischen bürgerlichen Freiheiten und Militarismus. Politiker wie Trump, Erdogan oder Putin bedrohten diese Freiheiten mehr denn je.

Als Preuß nach Stuttgart kam, hat er ein provisorisches Büro in der Marienstraße bezogen. Das Theater nutzte in dem Gebäude schon drei Stockwerke. Jetzt wurden zwei weitere angemietet. Nach seinem Urlaub am Montag kann Preuß ins Intendantenbüro im Alten Schauspielhaus ziehen.

Bisher arbeitete er mit Ensembletheatern. Das bedeutet, ein Großteil der Schauspieler ist, oft über Jahre, fest engagiert. Das ist bei den Schauspielbühnen nicht der Fall. Das Ensemble wird für die einzelnen Stücke zusammengesetzt. „Wir wollen das Publikum mit tollen Stücken und tollen Schauspielern überzeugen“, sagt der Intendant. „Ich kann jede Rolle in jedem Stück so besetzen, bis es perfekt passt“, unterstreicht er die Vorteile.

Es gibt aber auch einige populäre Akteure, wie Monika Hirschle (Tratsch im Treppenhaus) oder Hannes Fischer (Die Katze auf dem heißen Blechdach),  die häufig auf einer der beiden Bühnen zu sehen sind. „Viele Schauspieler kommen  wieder, so entsteht für das Publikum der Eindruck, dass wir mit festen Größen arbeiten“, erläutert Preuß.

Künftige Tatortkommissarin

Für einzelne Stücke werden auch Fernsehstars verpflichtet. Wer nicht verkraften kann, dass Hans Beimer in der Lindenstraße den Serientod stirbt, kann den Schauspieler Joachim Luger, der die Beimerrolle seit fast 33 Jahren spielt, im Mai in der Komödie im Marquardt erleben. Luger spielt einen der Alt-68er in „Wir sind die Neuen“. Die Komödie behandelt  einen Generationenkonflikt zwischen flippigen Senioren und spießigen Studenten.

Cornelia Gröschel hat schon als Kind an Fernsehproduktionen mitgewirkt. Im kommenden Jahr wird sie im Tatort aus Dresden eine der beiden Kommissarinnen spielen. Was sie als Theaterschauspielerin zu bieten hat, wird sie als Rosalinde in  Shakespeares „Wie es euch gefällt“ zeigen.  Wobei die Darsteller dafür sorgen müssen, dass die Inhalte auch zum Publikum gelangen: Preuß ist da zuversichtlich: „Schauspieler sind Magier. Sie verwandeln sich in Monster oder in Feen.“

Die Berufung kam relativ spät

Intendanz Axel Preuß ist nur ein Jahr vor dem Amtsantritt berufen worden. Üblich seien zwei Jahre, erläutert die Verwaltungschefin der Schauspielbühnen, Ines Pieper. Die Theaterleiter stellen in der Zeit ihren Spielplan auf. Sie verhandeln über Aufführungsrechte und mit Schauspielern.

Bühnen Im Alten Schauspielhaus haben 499 Gäste Platz, die Komödie im Marquart, wo die leichte Muse gepflegt wird, hat 378 Sitze. Boulevard ist eine Theaterform, die klug und geistreich sein kann, sagt Preuß. dgr

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