Innenstadt Neuer Blickfang für die Einkaufsmeile

Das in die Jahre gekommene Gebäude soll abgerissen werden. Die LBBW möchte einen Architektenwettbewerb starten.
Das in die Jahre gekommene Gebäude soll abgerissen werden. Die LBBW möchte einen Architektenwettbewerb starten. © Foto: Ferdinando Iannone
Von Melissa Seitz 14.02.2019

Wer aus dem Hauptbahnhof herausläuft und in Richtung Königstraße schaut, erblickt auf der rechten Seite das als Hindenburgbau bekannte Gebäude mit den großen Torbögen. Ein echter Hingucker. Auf der linken Seite bleibt der Blick nur selten hängen. Das liegt vor allem an der Architektur, vermutet Frank Berlepp, Geschäftsführer der LBBW-Immobilien.  Eine weiße Vertäfelung mit einem leichten Gelbstich verkleidet das Haus zum Arnulf-Klett-Platz hin, die Fassade entlang der Königstraße ist mit einem dunkelgrünen Geländer versehen. Hinter dem Bau versteckt sich das Schlossgartenhotel. „Diese Art von Architektur war damals sicherlich der Zeit angemessen, ist es aber jetzt nicht mehr“, sagt Berlepp im Ausschuss für Umwelt und Technik. Auch den energetischen und brandschutzrechtlichen Richtlinien entspreche der Bau nicht mehr. Kein Wunder, das Gebäude ist zwischen 1950 und 1067 errichtet worden.

Ein Hotel an gleicher Stelle

Der Grundstückseigentümerin LBBW will das 19 000 Quadratmeter große Gelände (Königstraße 1 bis 3) neu gestalten. Nur das Hauptgebäude der Deutschen Bundesbank soll stehen bleiben, es steht unter Denkmalschutz. Für das restliche Areal hat Berlepp schon genaue Vorstellungen. Eine Mischung aus Einzelhandel, Büroräumen und Wohnungen schwebt ihm vor. Auch ein Hotel soll an derselben Stelle wieder gebaut werden.

Carolin zur Brügge von der Abteilung Städtebauliche Planung zeigt anhand Grafiken, wie das aussehen kann. Man überlege zum Beispiel, die Königstraße und den Schlosspark miteinander zu verbinden – und zwar durch eine Erweiterung der Kronenstraße. Im Moment sei das Gebäude nämlich wie ein Riegel zwischen Shopping-Meile und Grünfläche. Außerdem könne man sich eine Art Landmarke vorstellen, die mit 35 bis 40 Meter den Höhepunkt dieses Areal darstellen soll. Die LBBW will den Neubau nicht nur zur Königstraße hin attraktiv gestalten. „Es darf keine Rückseite mehr geben“, sagt von Brügge. Sowohl die vordere Seite des Gebäudes als auch die Gebäudeseite zum Schlossgarten hin sollen effektiv genutzt werden. Dort wo jetzt die Lüftungsschächte der Bahnen sind, könnte eine Gastronomie mit Blick auf den Park entstehen.

Wenn es nach Berlepp geht, soll bereits im Mai die Ausschreibung für den Architekten-Wettbewerb verschickt werden. Doch einige Fraktionen ziehen bei dieser Planung nicht mit. Sie wünschen sich eine öffentliche Nutzung des Areals. Martin Körner (SPD) könnte sich dort eine neue Philharmonie vorstellen, ein neues Linden-Museum oder einen Standort für die Oper. „Das Gelände soll kein Geschenk von der LBBW an die Stadt sein, es soll natürlich vergütet werden“, ergänzt Walter Schupeck (LKR).

Auch der Verein Aufbruch Stuttgart meldet sich zu diesem Thema in einer Pressemitteilung zu Wort. Insbesondere Kultureinrichtungen würden immer mehr an Gewicht gewinnen, wenn es darum gehe, eine Stadt zukunftsfähig zu planen.

Die geplante Landmark in Form eines Hochhauses sorgt ebenfalls für Diskussion. Grundsätzlich findet Alexander Kotz (CDU) die Idee gut, nur müsse das Bauwerk auch wirklich auffällig sein. „Besucher sollen davor stehen und wow sagen“, findet Kotz. Man dürfe hier nicht schwäbisch-konservativ denken, sondern sollte mutige Architektenbüros Vorschläge machen lassen und sich nicht gleich dagegen sträuben. Ähnlich sieht das Andreas Winter (Grünen). Er könnte sich sogar eine vertikale Begrünung vorstellen.

Stadt äußert sich zur Nutzung

Doch was wünscht sich eigentlich die Stadt Stuttgart für das Areal? Diese Frage wurde während des Ausschusses mehrmals in den Raum geworfen. „Wir als Verwaltung können uns dort gut Büroräume, Läden und Wohnungen vorstellen. Auch wenn die Mieten nicht günstig sein werden“, sagt Peter Pätzold. Aber auch eine öffentliche Nutzung findet der Baubürgermeister nicht abwegig. Die Stadt wolle den Wunsch einiger Fraktionen weiter verfolgen. „Bevor es in die Wettbewerbsphase geht, kommen wir mit dem Nutzungsthema nochmal auf Sie zu“, kündigt Pätzold im Ausschuss an.

Infokasten
Seit 1977 gehört die Königstraße den Fußgängern

Bis in die 60er Jahre waren auf der Königstraße noch Autos unterwegs. In den späten 1960ern und 1970er Jahren wurde die Straßenbahn unter die Erde verlegt. Seit 1977 gehört die Einkaufsmeile ausschließlich den Fußgängern.

Viele Sehenswürdigkeiten befinden sich entlang der 1,2 Kilometer langen Königstraße – zum Beispiel das Alte und das Neue Schloss und der Königsbau.

JLL, ein Beratungs- und Investmentmanagement-Unternehmen, hat im Jahr 2018 die Passantenfrequnezen auf 25 Shoppingstraßen in Deutschland verglichen. Die Stuttgarter Königstraße landete dabei auf Platz 9 mit durchschnittlich 9145 Besuchern pro Stunde. Auf Platz 1 ist die Zeil in Frankfurt gelandet. sei

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