Technik Neue Säulen gegen dicke Luft

Werner Lieberherr zeigt die  neuen Filtersäulen.
Werner Lieberherr zeigt die neuen Filtersäulen. © Foto: Uwe Roth
Stuttgart / Uwe Roth 12.02.2019

Die 17 Filtersäulen am Stuttgarter Neckartor werden vom Hersteller Mann + Hummel zum Stickstoffdioxid-Absorber aufgerüstet. Die Ende des vergangenen Jahres in Betrieb genommene Technik soll künftig nicht allein den Feinstaub aus der Umgebungsluft saugen und im Filter binden, sondern zusätzlich das Stickstoffdioxid, das der Stadt die Dieselfahrverbote eingebrockt hat. Um noch mehr Abgase aus der Luft zu bekommen, werden bis zum Sommer sechs weitere sogenannte Filter-Cubes aufgestellt. Laut Hersteller liegt der Einzelpreis bei 20 000 Euro. Die bisherigen Kosten in Höhe von 340 000 Euro teilten sich die Stadt Stuttgart, das Land und das Unternehmen zu gleichen Teilen.

Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter für Nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium des Landes, sagte  bei der Präsentation der Technologie in Ludwigsburg, mit dieser zusätzlichen Komponente zur Luftreinhaltung könne die Stickstoffdioxid-Konzentration am Neckartor „nahe an den Grenzwert gebracht werden.“ Die Zeit dränge zwar, „aber es gibt Grund zum Optimismus“, so Erdmenger. So bestünden Chancen, weitere Dieselfahrverbote zu verhindern. Erste Auswertungen des Projekts haben nach Angaben des Unternehmens gezeigt, dass bei Feinstaub die Partikelkonzentration um 10 bis 30 Prozent verringert wurden. „Das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent an Fahrzeugen, die am Neckartor vorbeifahren“, sagte Werner Lieberherr, Geschäftsführer von Mann + Hummel.

Das Unternehmen hat diese Technologie bereits in den Innenräumen von Fahrzeugen im Einsatz. Nun wird sie in größerer Dimension mit bis zu drei Filterkomponenten in die 3,60 Meter hohen Säulen verbaut. Ventilatoren saugen bis zu 14 500 Kubikmeter Luft in der Stunde an. Bis zu 80 Prozent Feinstaubpartikel und Stickoxid bleiben in den Filterlagen hängen. Die Filter bestehen aus Aktivkohlefasern und Fasern von der Kokosnuss-Schale. Würde man die Fasern aus den drei Filterblöcken nebeneinanderlegen, könnte man 3000 Fußballfelder damit abdecken.

Neben Stuttgart sollen in Ludwigsburg 23 Filter-Cubes im Umfeld der Luftmessstation an der Friedrichstraße aufgestellt werden. Auch dort werden überhöhte Stickstoffdioxid-Werte gemessen. Der Stadt könnte noch in diesem Jahr ein Fahrverbot drohen. Für die Investition in Höhe von 460 000 Euro und der jährlichen Kosten von rund 83 000 Euro für den regelmäßigen Austausch der Filter erhofft sich die Stadt zusätzliche Fördermittel aus dem Bundeshaushalt.

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