Führung Neue Köpfe an der Spitze

Von unserer Redaktion 30.12.2017
In Stuttgarts Chefetagen hat es 2017 einige Wechsel gegeben. Die neuen Amtsinhaber über ihren Start und ihre Ziele.

Ob Stadtmuseum, Industrie- und Handelskammer, Oberlandesgericht, Flughafen oder die staatliche Toto-Lotto-Gesellschaft – sie alle haben seit 2017 einen neuen Chef beziehungsweise eine neue Chefin.

Abschied vom Landtag

Georg Wacker will nicht mit der Tür ins Haus fallen. Wenn der neue Chef der staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg 2018 sein Büro am Stuttgarter Nordbahnhof bezieht, will er Mitarbeiter und Aufgaben kennenlernen. „Konkrete Ziele zu formulieren, wäre jetzt zu früh“, sagte der bisherige CDU-Landtagsabgeordnete. „Ich freue mich auf die Einarbeitung.“

Der 55-Jährige sieht in dem neuen Arbeitsfeld sein „altes Kerngebiet“, das er schon als politischer Staatssekretär im Kultusministerium von 2006 bis 2011 beackert habe. Schon bisher saß Wacker im Aufsichtsrat der Lotto-Gesellschaft mit rund 190 Mitarbeitern. Die Reinerlöse – 2016 rund 132 Millionen – fließen zum Großteil in die Förderung von Sport, Kunst und Kultur, Denkmalpflege und Sozialem.

Der aus Schriesheim stammende Diplom-Musiklehrer, der kürzlich ein Managementstudium in St. Gallen abschloss, zog 1996 für den Wahlkreis Weinheim in den Landtag ein. Zuletzt war er bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Er bleibt im Bezirksvorstand Nordbaden und Landesvorstand der CDU. lan

Werben für die duale Ausbildung

Johannes Schmalzl startet in Stuttgart neu durch: „Der Reiz des Anfangs ist ein besonderer Reiz“, bewertet er seine ersten Wochen als Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Der frühere Regierungspräsident ist nach einem Jahr als Ministerialdirektor am Bundesfinanzministerium aus Berlin zurück nach Stuttgart gekommen. Die Leitung der IHK sei eine Herausforderung, schließlich handle es sich um eine der größten Kammern in Deutschland, erklärt Schmalzl.

„Wir werben für die duale Ausbildung“, nennt der Geschäftsführer eine wesentliche Aufgabe im neuen Jahr. Es gebe einen harten Kampf um jeden Auszubildenden. Die IHK müsse dazu beitragen, dass den Firmen genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Schmalzl will an allgemeinbildenden Gymnasien dafür werben, dass eine „Ausbildung der bessere Weg ist als eine unsichere akademische Zukunft“. Aber eine Lehre müsse auch attraktiv sein. Dazu könne die Digitalisierung beitragen, die neue spannende Berufe schaffe: „Ein Mechatroniker ist ein kleiner Computerfachmann.“

Die Führungsarbeit bei der IHK teilt sich der 52-Jährige mit Marjoke Breuning. Die Einzelhändlerin mit Unterwäsche-Laden in Stuttgart wurde im März zur Präsidentin der Stuttgarter Kammer gewählt. Sie ist die erste Frau an der Spitze einer IHK im gesamten Südwesten. Die ersten Monate seien interessant und fordern gewesen, sagt Breuning. Fachkräftemangel, Digitalisierung und drohende Fahrverbote trieben die Unternehmer in der Region um, hat sie erfahren. Ganz oben auf ihrer Agenda für 2018 stehe, „dass ich mich weiter für wichtige Themen wie Glasfasernetzausbau, attraktive Innenstädte und die Entlastung der Mitgliedsbetriebe von Steuern und Bürokratie einsetze“. dgr/dl

Die Justiz ins Licht rücken

Cornelia Horz, die neue Präsidentin des Oberlandesgerichts Stuttgart, sieht in der Justiz noch deutlichen Nachholbedarf für Frauen in Führungspositionen. Doch sie ist zuversichtlich, dass sich das mit den nächsten Jahren ändern wird. Sie selbst ist hierfür das be­ste Beispiel. Im Oktober wurde sie zur Präsidentin des Oberlandesgerichts Stuttgart mit 450 Mitarbeitern berufen und ist stolz auf das funktionierende Haus: „Wir sind das führende Oberlandesgericht in ganz Deutschland, was die Verfahrenslaufzeiten in Zivilsachen angeht.“

Horz zeigt sich tatkräftig: „Wir haben einen erheblichen Reformbedarf in anzuwendenden Prozess­recht. Gerichte müssen vor allem in Strafprozessen flexibler agieren können, sonst dauern die Verfahren zu lange – wie gerade der endlose NSU Prozess zeigt.“ Ihr besonderes Anliegen ist es, die Justiz aus dem Schattendasein zu holen und mehr Öffentlichkeit herzustellen: „Wir sind Voraussetzung für einen funktionierenden Staat. Ohne gut ausgestattete, arbeitsfähige Gerichte ließe sich unsere Rechtsordnung nicht durchsetzen.“ bw

Festivalcharakter mitnehmen

Torben Giese hat sich schnell in die Landeshauptstadt und seine Bewohner verguckt. Seit Februar ist er Direktor des neuen Stuttgarter Stadtmuseums, das nach einem aufwendigen Umbau im April offiziell eröffnet wird. „Ich finde die Stuttgarter großartig“, sagt der 39-Jährige, der zuvor in Wiesbaden arbeitete. Und zwar trotz der ganzen Bruddelei. Der Kölner feiere seine Stadt als die tollste, egal, ob das so sei, der Stuttgarter mache seine Stadt schlecht. „Doch ich habe gelernt, dass das kein Ausdruck von Abneigung ist. Da steckt viel Liebe drin.“ Diese besondere Haltung zur Stadt will der Vater von Zwillingen auch im neuen Stadtmuseum verankern. Das soll sich mit Vergangenheit und Gegenwart Stuttgarts befassen. Die Dauerausstellung befindet sich noch im Aufbau, „den Eröffnungstermin können wir aber halten“, verspricht Giese, dessen Lieblingsort in der Stadt übrigens die Haltestelle „Staatsgalerie“ ist, weil Stuttgart dort richtig urban sei.

Die Digitalisierung vorantreiben

Arina Freitag ist das neue Gesicht des Flughafens Stuttgart. Die 46-jährige Managerin führt seit 1. September die Geschäfte des Airports – im Duo mit dem erfahrenen Walter Schoefer. Arina Freitag ist die Nachfolgerin von Georg Fundel, der Ende April in den Ruhestand getreten ist. Die promovierte Volkswirtschaftlerin ist die erste Frau in der doppelt besetzten Geschäftsführung des Flughafens und im Gegensatz von Fundel und Schoefer kommt sie von außerhalb des Landes.

Fundel hatte den Aviation-Bereich verantwortet und der ist nun auch das Ressort von Arina Freitag.  Sie kommt zwar von der DB Netz AG, wo sie sechs Jahre lang  die Marktplanung und den Vertrieb geleitet hat. Doch gleichwohl kennt sie sich aus im Luftfahrtgeschäft. Denn bevor sie zur Bahn ging, arbeitete sie in den Diensten des Flughafens Frankfurt, leitete dort von 2006 bis 2011 das Controlling und war verantwortlich für den Bereich Flughafenentgelte und Preisstrategie. Oberbürgermeister Fritz Kuhn freute sich darüber, „dass sich eine so hochqualifizierte Frau im Bewerbungsverfahren durchgesetzt hat“.

Arina Freitag setzt auf Wachstum am Flughafen Stuttgart. 2017 steuert der Airport mit knapp 11 Millionen Passagieren auf einen neuen Rekord zu. „Für 2018 rechnen wir erneut mit einem Plus“, sagt die Geschäftsführerin. Das Management werde sich um weitere Europaflüge bemühen „und natürlich auch um interkontinentale Verbindungen“. Da ist der Landesflughafen in den vergangenen Jahren vom Bundesverkehrsministerium ausgebremst worden.

Bei der Arbeit am Boden hat für Arina Freitag die kundenorientierte und nachhaltige Entwicklung der Infrastruktur Priorität. Außerdem: „Wir müssen auch die Digitalisierung in allen Bereichen vorantreiben.“ web

Zahl

Besucherzahl Stadtmuseum (dl)