Stuttgart Neue Friedrichsbau-Show "Particles" feiert am Freitag Premiere

Sprünge, Klänge, optische Effekte: Die Show "Particles" will einen neuen Ansatz von Varieté zeigen.
Sprünge, Klänge, optische Effekte: Die Show "Particles" will einen neuen Ansatz von Varieté zeigen. © Foto: Friedrichsbau-Varieté
Stuttgart / WENKE BÖHM 12.02.2015
Wenn die Akrobaten im Friedrichsbau auf skurrile Weise Arme und Beine verknoten, dann scheinen die Naturgesetze ausgehebelt. Die neue Show "Particles" zeigt Varieté in einer neuen Form.

Es ist Vollmond im neuen Friedrichsbau-Varieté am Pragsattel. Riesig prangt er über der Bühne - mal rot, mal orange, mal blau. Was in seinem Licht geschieht, erscheint wie ein Traum. Dennis McDao ist von einem Federsturm umgeben. Die kleinen weißen Dinger wirbeln um ihn herum, während er sich zum Mix aus klassischen und elektronischen Klängen in schwindelerregendem Tempo dreht. Fast scheint es, als sei er ein weißer Tornado, der den wilden "Federtanz" verursacht - doch der Wind kommt aus Ventilatoren.

Zuvor hat "Fleeky Flanco" mit femininer Eleganz im Handstand die Füße in die Luft gestreckt, um sie dann an den Armen vorbei nach vorne, zur Seite und wieder nach oben zu führen. Das rosa-gelockte Menschenknäuel auf der Bühne macht es zeitweise fast unmöglich, die Körperteile auseinanderzuhalten. Das Programmheft verrät: Allen Anschein zum Trotz ist "Fleeky Flanco" keine Frau, sondern ein "androgyner Grenzgänger". Augen können schon mal trügen, vor allem im "Mondschein".

Bei "Particles", das am Freitag Premiere feiert, verbinden sich künstlerische Kleinteile zu einem kunstvollen Ganzen. Los geht's schon mit der Installation von Marc Engenhart. 300 zerknüllte Papiere fügen sich zu einem raumfüllenden Baldachin, der den Mond überspannt. Je nach Beleuchtung erzeugt das Ensemble ganz unterschiedliche Stimmungen. Verstärkt werden diese durch die Klangkunst von Steffen Wick und Simon Detel. Das Duo arbeitet schon seit 2009 an seinen "Piano Particles". Die klassischen Klavierklänge von Wick werden durch Detels Elektro-Sounds ergänzt, manchmal auch verfremdet und so zu etwas Neuem arrangiert. Viele Stücke sind eigens für diese Inszenierung entstanden. Leichte Anklänge an den Elektropop-Sound der 80er-Jahre blitzen durch. "Wir wollen die Zuhörer in eine neue Welt entführen", erklärt Wick.

Mehr als zwei Jahre hat Ralph Sun, Künstlerischer Leiter und Regisseur im Friedrichsbau-Varieté, mit den Musikern an der Show gearbeitet und gefeilt. "Durch ihre künstlerische Offenheit und Affinität zum Varieté kam ein sehr kreativer Prozess in Gang, aus dem heraus diese Inszenierung entstanden ist", berichtet Sun. "Particles" zeige einen neuen Ansatz von Varieté. Herkömmliche Seh- und Hörgewohnheiten würden neu definiert. Wick spricht von einer "Verjüngungskur". Spartenübergreifende Genres - Musik, Artistik, Tanz, Video, Installation - bilden eine emotionale Symbiose.

Das Ergebnis lässt selbst den Regisseur staunen. Sun räumt am Mittwoch ein, dass er manchmal noch die Luft anhält. "Die Bilder waren bislang nur in meinem Kopf, erst seit zwei Tagen sehe ich sie auf der Bühne. Das ist, als wenn man nach ganz wenigen Schwimmstunden den Freischwimmer macht."

"Particles" ist die zweite Show, die im Varieté am Pragsattel Premiere feiert. Die neuen Räume sind erst Anfang Dezember 2014 in Betrieb genommen worden - nach gerade mal vier Monaten Bauzeit. Jetzt schmücken Handwerker die neue Heimat der Künstler nach und nach weiter aus. "Es muss wachsen. Die Künstler bringen ihren persönlichen Stempel mit", sagt Pressesprecherin Mascha Hülsewag Im farbig ausgeleuchteten Foyer sollen bald historische Plakate präsentiert werden, der Theatersaal bekommt rotsamtene Wände. Ab April wird zudem die Sitzordnung geändert. Die ersten drei Sitzreihen schauen dann frontal zur Bühne, die restlichen Tische werden strahlenförmig angeordnet. Erfreulich sei, dass die Zuschauer nach der Show schon jetzt gerne mal länger sitzen bleiben, sagt Geschäftsführer Timo Steinhauer.

Fünf Shows pro Woche

Vorstellungen "Particles" wird bis zum 4. April jeweils mittwochs, freitags und samstags, 20 Uhr, donnerstags, 19.30 Uhr, und sonntags, 18 Uhr, gezeigt. Karten kosten regulär zwischen 27 und 57 Euro, Schüler und Studenten zahlen am Tag der Aufführung 18 Euro, sonst fünf Euro weniger. Karten können per Telefon (0711) 2 25 70 70, Fax: (0711) 2 25 70 75 oder per Mail an tickets@friedrichsbau.de geordert werden.

Programm Neben "Particles" plant das Varieté in dieser Spielzeit unter anderem noch folgende Glanzlichter: "Varieté zum Tee", "Das Dschungelbuch", die Lesung "Die Lebenden und die Toten" sowie "Hypnotize The World" mit Jan Becker.

Alle Infos auch im Internet: www.friedrichsbau.de

 

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel