Trachten, Tanzboden, Blasmusik und ein traditioneller Jahrmarkt haben im vorigen Jahr das historische Volksfest auf dem Schlossplatz zum Renner gemacht. Obgleich sich die Jubiläumskonstellation, in deren Umfeld das Fest gegründet wurde, nur alle 400 Jahre wiederholt, sieht es so aus, als ob das Fest wiederbelebt wird.

Hinter den Kulissen diskutieren verschiedene Akteure das Thema: Es geht um Zeitraum, Standort und um die Finanzierung, bestätigt Andreas Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Kroll hat im vorigen Jahr den Rummel mit nostalgischem Flair als einmalig angekündigt, denn ähnliche Jubiläen von Volksfest und Landwirtschaftlichem Hauptfest (LWH) gebe es erst wieder in 400 Jahren (siehe Infobox).

Volksfestexperte Wulf Wager hat mit Ideen und Konzepten zum Gelingen der Traditionsgaudi beigetragen. Er möchte an ihr festhalten. Für 2019 sei es aber zu spät. Er kann sich einen zwei- oder vierjährigen Turnus vorstellen, wobei Wager den Zweijahresrhythmus bevorzugt. Im nächsten Jahr kann das 175. Cannstatter Volksfest gefeiert werden. „Das würde gut passen.“

Bezirksbeirat will Fortsetzung

Die Weichen müssen aber die Stadt und das Land als Eigentümer des Schlossplatzes stellen. Die Stadtverwaltung ist nach Angaben von Jana Steinbeck dabei, sich eine Meinung zu bilden. Im Rathaus sehe man den Erfolg des Festes auf dem Schlossplatz. Die Entscheidung sei aber noch „absolut offen“.

Das Land verweist darauf, dass kein Antrag vorliege. Man stehe Veranstaltungen offen gegenüber, wenn sie den Menschen der Stadt und der Region einen großen Mehrwert bringen, teilt John-
Nicolas Heinemann, ein Sprecher des Finanzministeriums,  mit.

Der Bezirksbeirat von Stuttgart-Mitte hat sich schon eine Meinung gebildet. „Alle Fraktionen sind sich einig, dass es weiter gehen soll“, sagt Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne). Es gebe jedoch keine Einigkeit über den Turnus. Kienzle ist für einen Vierjahresrhythmus, parallel zum LWH.

Andere Bezirksbeiräte würden gerne alle zwei Jahre feiern. Generell sieht das Gremium die Häufung von Veranstaltungen im Stuttgarter Zentrum eher kritisch. Das historische Volksfest ist die Ausnahme: Kienzle sieht darin „eine Bereicherung für die Stadtgesellschaft“.  Sie vergleicht die Retro-Variante mit dem Wasenrummel: „Weniger Trubel, mehr Brauchtum.“ Aus Sicht der Bezirksvorsteherin ist es daher im Zentrum gut aufgehoben.

Offen ist allerdings die Finanzierung. Das historische Fest trägt sich nicht selbst. Die Premiere hat laut Wager etwa 1,5 Millionen Euro gekostet. Die Stadt hat 2018 eine halbe Million Euro zugeschossen. Den Rest der Summe brachten in.Stuttgart und einige Sponsoren auf. Die Wiederauflage würde nach Wagers Einschätzung etwa eine Million Euro kosten.

Bezirksvorsteherin Kienzle setzt darauf, dass die Veranstaltungsgesellschaft einen stattlichen Beitrag leistet. Der „Gewinn vom Ballermann“ solle verwendet werden, sagt sie mit Blick auf den Cannstatter Wasen.

Das sieht Kroll anders. Der Geschäftsführer von in.Stuttgart lehnt eine Quersubventionierung ab. Dann werde man gegenüber anderen Veranstaltern unglaubwürdig. Er ist ebenfalls gegen eine günstige 1b-Variante. Die Qualität müsse stimmen. „So was muss man sich leisten wollen.“ Kroll kann sich ein historisches Fest alle vier Jahre im Turnus des LWH vorstellen. Denkbar sei aber auch alle zehn Jahre. „Man findet immer wieder ein Jubiläum.“

„Es muss authentisch sein oder es funktioniert nicht“, warnt Wager vor einer Billiglösung. Seiner Ansicht nach muss geklärt werden, ob „es uns als Stadt wert ist, diese Tradition zu zeigen“. Der Autor des Buches „Cannstatter Volksfest“ hat beobachtet, dass der historische Rummel ganz andere Besuchergruppen anspricht. „Es gab keine Polizeieinsätze. Der Platz war immer sauber.“ Seiner Einschätzung nach arbeitet der Finanzbürgermeister derzeit an der Lösung der Volksfestfrage. Michael Föll (CDU) wolle das Thema vor seinem Ausscheiden Ende Februar in trockenen Tüchern haben. Ob dies gelingt, darf bezweifelt werden. Wenn’s um Geld geht, müssen auch die Stadträte gefragt werden, stellt Pressesprecherin Steinbeck fest.

Gaukler draußen und Volkstänzer im Zelt


Im vorigen Jahr kamen mehrere Jubiläen zusammen: Es wurden das 100. Landwirtschaftliche Hauptfest und 200 Jahre Volksfest gefeiert. Deshalb wurde das achttägige Historische Volksfest auf dem Schlossplatz organisiert.

Historische Fahrgeschäfte und Gaukler präsentierten sich auf dem Schlossplatz. Das Festzelt hatte einen Tanzboden. Trachtenkapellen und Volkstänzer traten auf. Ausgeschenkt wurde ein extra gebrautes Jubiläumsbier. Es gab keine Pommes, sondern landestypische Speisen. dgr