Präsidentenwahl Nah dran am Showdown

Die amerikanische Präsidentschaftswahl fesselt nicht nur die in Stuttgart stationierten US-Soldaten, sondern auch die Deutschen. In der „Election Night“ in der IHK gibt es auch amerikanische Snacks und Live-Musik. Foto: dpa
Die amerikanische Präsidentschaftswahl fesselt nicht nur die in Stuttgart stationierten US-Soldaten, sondern auch die Deutschen. In der „Election Night“ in der IHK gibt es auch amerikanische Snacks und Live-Musik. Foto: dpa © Foto: Foto: dpa
Raimund Weible 08.11.2016

Hektik in zweiten Stock des Ehemaligen Waisenhauses am Charlottenplatz. Die Mitarbeiter des Deutsch-Amerikanischen Zentrums (DAZ) bereiten unter Hochdruck die „Election Night“ vor, mit der das Zentrum die Präsidentschaftswahlen in den USA begleitet. Es gibt wahrlich viel zu tun. „Wir haben das ganze Wochenende durchgearbeitet“, berichtet Geschäftsführerin Christine Pyka.

Die Wahlnachts-Veranstaltung zu US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen in Stuttgart ist längst Tradition, auch die Zusammenarbeit zwischen DAZ und der Landesanstalt für Politische Bildung (LPB). Beide Organisationen bieten insgesamt 30 Helfer auf. Vor vier Jahren, als Barack Obama zum zweiten Mal gewählt wurde, war das Landtagsgebäude Schauplatz des Programms. Dieses Mal steigt das Fest in der IHK Region Stuttgart.

Das Programm wendet sich sowohl an die US-amerikanische Community in Stuttgart als auch an das deutsche Publikum, das sich von der spannenden Wahl ebenso elektrisiert zeigt. Der Showdown zwischen Hillary Clinton und Donald Trump zieht die Menschen an. Pyka erwartet in der IHK 800 angemeldete Gäste: „Es wollten noch mehr kommen.“ Doch der Platz ist in der IHK beschränkt.

Das Interesse an den Vorgängen in den USA ist laut Pyka in Deutschland schon immer sehr groß gewesen. „Vielen Deutschen ist sehr bewusst, dass die Wahlen bedeutsam für die globale Politik sind.“ Daniel Henrich von der LPB erinnert auch an die besonderen Beziehungen der Stuttgarter zu den Amerikanern. Zum einen wuchsen die Älteren noch in der amerikanischen Besatzungszone auf, zum anderen leben in der Region überdurchschnittlich viele US-Amerikaner. 2100 Einwohner Stuttgarts haben einen US-amerikanischen Pass. Dazu kommen noch die Soldaten, die in der Region Stuttgart stationiert sind, aber nicht im Ausländerzentralregister erfasst sind. Zusammen mit ihren Familien sind das 23 000 Personen.

Vor vier Jahren war ein Hauch von US-Wahlkampf auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz zu verspüren. Aktivisten der Auslandsvertretung der Demokratischen Partei, die „Democrats Abroad“, riefen ihre Landsleute dazu auf, wählen zu gehen. Dieses Mal machte sich der Stuttgarter Ableger der „Democrats Abroad“ nicht bemerkbar und auch nicht die Konkurrenz von den „Republicans Overseas“.

Die Gäste der „Election Night“ erwarten von 21 bis fünf Uhr morgens Informationen und Unterhaltung, Infotainment eben. „Wir haben hoffentlich eine ansprechende Mischung gefunden“, sagt Pyka. Die Teilnehmer können sich über das Wahlverfahren und über den turbulenten Wahlkampf der beiden ungleichen Gegner informieren. Die ganze Nacht hindurch gibt es eine kommentierte Live-Schaltung des Infosenders CNN.  Mirko Drotschmann, der den Youtube-Kanal „MrWissen2go“ betreibt, wird am Abend „den kuriosesten US-Wahlkampf der Geschichte“ launig beschreiben.

Diesem Programmpunkt ist eine „Show Debate“ mit sechs Stuttgarter Schülern vorgeschaltet, die der „Debating Society Germany“ angehören. Und danach treffen sich auf dem Podium Vertreter der „Republicans Overseas“ und der „Democrats Abroad“, um mit Nicole Renvert von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik  und Klaus Kamps von der Hochschule der Medien Stuttgart über den Mega-Wahlkampf zu diskutieren – SWR-Nachrichtenredakteur Günther Laubis moderiert.

Zu den Besonderheiten der „Election Night“ zählt auch wieder eine „Mock Election“, eine Probewahl. Die Besucher sind eingeladen, ihre Stimme abzugeben, für Clinton oder für Trump. Das Ergebnis wird dann bereits um ein Uhr nachts bekanntgemacht,  Stunden bevor das Resultat der echten Wahl feststeht.

Analyse am Tag danach

Nach der Wahl laden das Deutsch-Amerikanische Zentrum und die Landeszentrale für Politische Bildung zur Analyse. Im Hospitalhof der Evangelischen Kirche versuchen Experten am Donnerstag um 19 Uhr zu klären, was das Ergebnis für die Vereinigten Staaten insgesamt und für die Wirtschafts-, Finanz-, Innen und Außenpolitik der USA für Folgen hat.

Zugesagt haben zu dieser Wahlanalyse Andrea Despot von der Europäischen Akademie Berlin,  Wilfried Mausbach vom „Heidelberg Center for American Studies“ und der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Hans-Ulrich Klose. Für diese Veranstaltung ist keine Anmeldung notwendig. eb  

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