Fellbach Nachhaltiger Konsum kommt an

Mit ihrem Übermorgen-Verlag gehören Lennart Arendt (links) und Dominik Ochs zu den Ausstellern beim Heldenmarkt in Fellbach.
Mit ihrem Übermorgen-Verlag gehören Lennart Arendt (links) und Dominik Ochs zu den Ausstellern beim Heldenmarkt in Fellbach. © Foto: Ferdinando Iannone
Fellbach / SABINE FISCHER 26.10.2015
Der Heldenmarkt findet bundesweit an acht Standorten statt. Am Wochenende präsentierten sich innovative Jungunternehmer aus der Region in Fellbach.

Petra Rusch macht Unterwäsche aus Hanf. Weiß, klassisch und weniger skurril, als man im ersten Moment meinen könnte, liegen die Höschen und BHs publikumswirksam auf einem Holztisch. "Ganz perfekt sind sie noch nicht. Aber dafür, dass ich ein paar erst gestern Abend genäht habe, können sie sich sehen lassen", meint Rusch lachend und streicht einen Rüschen-BH glatt. Erst seit einer Woche hat die Geschäftsführerin von "Cannamoda" - einer Sachsenheimer Mode-Firma, die Kleider aus europäischen Hanffasern produziert - ihre Dessous-Kollektion auf dem Markt. "Die Leute finden das spannend. Hanf ist die regionalste und nachhaltigste Pflanze, die es hier gibt. Aber sie wird kaum genutzt", erklärt Rusch ihre Motivation.

Ähnlich denken viele der knapp 80 regionalen Aussteller auf dem Heldenmarkt in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Die Messe für nachhaltigen Konsum in der Alten Kelter ist weit weg vom verschrobenen Bio-Bauern-Image. Stattdessen überzeugt die Veranstaltung, die zum vierten Mal in der Region Stuttgart zu Gast ist, mit Innovation, Humor und wenig erhobenem Zeigefinger.

Auch das Übermorgen-Magazin, das seit Juni kostenlos in Stuttgart erscheint, hält nicht viel von besserwisserischer Attitüde. Statt mit strenger Miene die Wichtigkeit des Nachhaltigkeitsmanagements zu predigen, wollen Lennart Arendt und Dominik Ochs Alternativen zu Konventionellem geben und dabei "easy, poppig und bunt" sein. Viermal im Jahr stellt das Magazin regionale Projekte sowie ökologische und soziale Themen vor. "Es ist unsere Art zu sagen: Hier, das gibt es konkret. Das kannst du machen", erklärt Ochs. Seitdem sie sich nach ihrem Studium selbstständig gemacht haben, bringen die beiden Initiativen zusammen, die ökologische Projekte in der Region vorantreiben. Vertreter der örtlichen Clubszene treffen auf alternative Modelabels, Veranstalter auf junge Unternehmer - und so entstehen neue Projekte in Stuttgart: In der Fluxus-Passage soll bald eine von "Übermorgen" initiierte Modenschau stattfinden, auf dem Marienplatz ist ein "Übermorgen-Markt" geplant.

Viele junge Selbstständige zeigen beim Heldenmarkt, wie alternative Lebensstile aussehen können. "Pulligon", das Start-Up von Daniela Loraing und Florian Götze, bietet individuell gestaltbare Pullover aus reiner Alpaka-Wolle an. "Das Material kommt zu 100 Prozent aus den Anden, wo ein Kollektiv von Kleinbauern die Wolle verarbeitet", erzählt Loraing. Im Online-Shop können Kunden aus 15 Millionen Möglichkeiten vom Muster bis zur Knopfleiste ihren Wunschpullover kreieren. "Da wir noch ganz am Anfang stehen, sind solche Messen für uns besonders wichtig", sagt Loraing.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel