Nahverkehr Mit einem Ticket durch die Region

Im öffentlichen Nahverkehr zwischen Geislingen und Stuttgart gelten bald die VVS-Tarife.
Im öffentlichen Nahverkehr zwischen Geislingen und Stuttgart gelten bald die VVS-Tarife. © Foto: Daniel Grupp
Stuttgart / Daniel Grupp 02.02.2019

Der Verkehrsverbund Stuttgart wächst – nicht nur was Fahrgastzahlen, Verbindungen und Haltestellen anbelangt: Erstmals seit seiner Gründung vor 41 Jahren kommt eine neue Gebietskörperschaft hinzu. Der Kreistag des Kreises Göppingen hat gestern beschlossen, dem VVS zum 1. Januar 2021 als Vollmitglied beizutreten. Damit wächst die Verbundsfläche von 3000 auf 3650 Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl steigt um 250 000 auf knapp 2,8 Millionen Menschen.

Als Stuttgart und die Landkreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis den Verbund vor 41 Jahren gründeten, war über eine Göppinger Mitgliedschaft diskutiert worden. Das war aber dem Stauferkreis zu teuer. Außerdem befürchteten Lokalpolitiker, dass der Verkehrsverbund den Weg zur Abwanderung  von Arbeitskräften in den Raum Stuttgart frei mache. Seither ist der Göppinger Beitritt immer wieder ein Thema.

Der VVS-Aufsichtsratsvorsitzende, OB Fritz Kuhn (Grüne), würdigte die Entscheidung: „Es ist ein bedeutsamer Schritt, dass sich jetzt auch Göppingen dem VVS anschließt.“ Er erwartet, dass dies das „Wir-Gefühl“ in der Region stärkt. Schon 2014 vollzog der Kreis Göppingen eine Teilintegration in den VVS. Damals wurde der Schienenverkehr integriert. Zudem führten die Göppinger Angebote wie das Studententicket ein. Mit der Vollintegration, die auch die Busse einschließt, gebe es in der gesamten Region Stuttgart ein einheitliches ÖPNV-Angebot, betont Kuhn.

„Wer von der Bahn auf den Bus umsteigt, muss künftig nicht mehr zwei Fahrkarten kaufen“, betont VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Ältere Menschen können mit dem VVS-Senioren-Ticket auch im Stauferkreis fahren. Durch die neuen Tarifzonen profitierten vor allem Fahrgäste aus dem ländlichen Raum von niedrigeren Preisen.

Am VVS sind Verkehrsunternehmen und öffentliche Hand jeweils zur Hälfte beteiligt. Auch der Landkreis und Göppinger Verkehrsunternehmen werden Anteile erhalten. Stammler kündigt an, dass die Mitarbeiter des Filsland-Mobilitätsverbundes übernommen werden und der Verbund „vor Ort mit einer Servicestelle präsent bleiben“ wird.

Die Landesregierung unterstützt die Integration mit anfangs etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärte: „Ich freue mich, dass die Menschen im Landkreis Göppingen in Zukunft ein noch besser integriertes ÖPNV-Angebot erhalten. Damit wird es noch attraktiver, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.“ Das Land habe schon die Teilintegration des Kreises mit bis zu 700 000 Euro pro Jahr gefördert.

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