Lesung Mit der Autorin auf der Picknickdecke

Annika Scheffel liest auf der Wiese der Wohngemeinschaft aus ihrem neuen Buch.
Annika Scheffel liest auf der Wiese der Wohngemeinschaft aus ihrem neuen Buch. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Nadja Otterbach 28.07.2018

Wohnzimmerkonzerte? Kennt man. WG-Lesungen? Verfolgen ein ganz ähnliches Konzept. Am Donnerstagabend ist von der Hitzewelle in Stuttgart viel zu spüren. Trotzdem kommen rund 40 Leute zur „Zwischen/Miete“, ein Projekt des Literaturhauses, das mit drei Worten erklärbar ist: Bier, Brezeln, Bücher. Mehrmals im Jahr veranstalten die Initiatoren Lesungen in privaten Wohngemeinschaften. Dabei geht es vor allem darum, jungen Autoren, die nicht älter als 35 sind, eine Plattform auf Augenhöhe zu bieten.

In Bad Cannstatt geht das Konzept auf. Die Besucher wirken entspannt. Statt sich auf 20 Quadratmetern im WG-Zimmer zu drängen, sitzen sie auf orange-roten Picknickdecken auf dem frisch gemähten Rasen hinterm Haus, zwischen Tomatensträuchern und Blumentöpfen. Die meisten halten ein Bierchen in der Hand, essen Butterbrezel oder ein Stück Pizza. Die WG-Bewohner Sophia Reiner und Benjamin Wölfle haben die Veranstaltung nach draußen verlegt. Kabel baumeln aus dem Ergeschoss-Fenster, die Technik funktioniert. Die Lehrerin und der Maschinenbau-Ingenieur wollen sich überraschen lassen, wie das so ist, Gastgeber einer Literaturveranstaltung zu sein. Ihr Haus für fremde Menschen zu öffnen, finden sie spannend.

Zu Gast ist die Berliner Schriftstellerin Annika Scheffel. Im Schneidersitz liest sie 75 Minuten aus ihrem im Mai erschienenen und bereits preisgekrönten Buch „Hier ist es schön“. Zwischendurch analysiert sie mit Moderatorin Juliane Rebstock die Charaktere ihres Romans, taucht tief in die Entstehung der Geschichte ein. Scheffel ist ein Fan von WG-Lesungen, sagt sie. Angenehmer sei das, als in einem Saal auf einer Bühne zu sitzen. „Man ist dichter dran am Publikum.“ Mit „Hier ist es schön“ hat Scheffel eine Mischung aus Science Fiction und Roadmovie verfasst, im Mittelpunkt ein Anti-Liebespaar, das in einer Fernsehshow ausgewählt wird, einen neuen Planeten zu besiedeln, und am Ende für Freiheit und Selbstbestimmung kämpft. Inspiriert hat Scheffel das Projekt „Mars One“.

Viel positives Feedback ernten Initiatoren und Autorin am Ende von den Besuchern. „Tolle Atmos­phäre“, ist zu hören oder auch: „Das perfekte Feierabendprogramm.“ Nach Hause zieht es nur wenige. Richtige WG-Partys beginnen spät.

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