Thomas Kölpins Kinder finden leicht Spielkameraden. Kein Wunder: Der Wilhelma-Chef lebt mit seiner Familie direkt auf dem Gelände des Stuttgarter Zoos, umgeben von zahllosen Tieren und Pflanzen. Vor allem die ältere Tochter, die schon in die Grundschule geht, hat häufig Besuch, erzählt der 46-Jährige und lacht. Wer so nah an der Arbeitsstätte wohnt, der kann Beruf und Privates nur schlecht trennen. Für Kölpin ist das aber kein Problem: "Das ist mein Traumjob."

Vor einem Jahr hat der gebürtige Hamburger die Regie in der Wilhelma übernommen und fühlt sich dort pudelwohl. "Das Team ist toll, ich bin gut aufgenommen worden, das bringt viel Spaß", sagt Kölpin. Dabei hat er in Stuttgart auch schon schlechte Zeiten erlebt. Nur Wochen nach dem Antritt des Biologen in der Landeshauptstadt war Eisbär Anton gestorben, nachdem er einen Rucksack gefressen hatte. Kölpin: "Das war der schlimmste Moment." Einen echten Höhepunkt gab's aber auch: die Geburt von Nashornbaby Savita Ende Oktober 2014.

Nun blickt Kölpin in die Zukunft. Derzeit arbeiten er und seine Leute an einem Masterplan, der den Zoo fit für die Zukunft machen soll. Die Entwicklung der kommenden 20 Jahre soll darin festgehalten werden. Voraussichtlich im Frühjahr wolle man das Ganze dem Finanzministerium, dem die Wilhelma gehört, zur Abstimmung vorlegen. Der Dreiklang aus zoologischem und botanischem Garten sowie den historischen Gebäuden, die den Standort Stuttgart so besonders machen, solle erhalten bleiben, bekräftigt Kölpin. "Der Schwerpunkt soll aber auf der Tierhaltung liegen." Auf der Grundlage eines neuen Gutachtens der Bundesregierung, das die Mindestanforderungen bei der Haltung von Säugetieren neu definiert, sollen einige Anlagen wie die der Nashörner vergrößert oder modernisiert werden. Zudem will man sich noch breiter aufstellen als bislang. Kölpin verspricht: "Der Löwe wird wiederkommen." Nur wann und wie sei noch unklar.

Ein Großprojekt der kommenden Jahre wird auch das geplante Elefantenhaus werden, das auf den Röhren des Rosensteintunnels entstehen soll. Die Vorplanung ist fertig, Ende des Jahres wolle man in den Planungswettbewerb gehen, berichtet Kölpin. Baustart soll in zwei Jahren sein, Bauende 2019. 14 Elefanten soll das neue Haus Platz bieten. Derzeit leben in der Wilhelma zwei Kühe, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben.

Was die Kosten angeht, will der Biologe noch keine Hausnummer nennen. Nur so viel: Es ist mit mehr als 8,5 Millionen Euro zu rechnen. Für diese Summe baute Kölpin an seiner alten Wirkungsstätte im Thüringer Zoopark in Erfurt ein Elefantenhaus. In Stuttgart werde man damit aber nicht hinkommen, denn hier würden asiatische und nicht afrikanische Elefanten angesiedelt, und für die seien die Haltungsbedingungen andere. Das Land und der Förderverein der Wilhelma sollen den Neubau bezahlen.

Auch sonst bleibt der Zoo ein Zuschussbetrieb. Das jährliche Budget liegt bei rund 25 Millionen Euro. Zielmarke ist, dass 30 Prozent vom Land und 70 von der Wilhelma gedeckt werden. Damit das auch künftig erreicht wird, sollen die Eintrittspreise in diesem Jahr angehoben werden - um ein bis zwei Euro, wie Kölpin ankündigt. Bislang zahlen Erwachsene 14, Kinder ab sechs Jahren sieben Euro für ein Tagesticket. Ausgaben für Energie und Personal seien gestiegen, rechtfertigt der Chef von über 300 Mitarbeitern die Entscheidung.

Um Geld in die Kasse zu spülen, will Kölpin zudem noch mehr Besucher als bislang anlocken. Potenzial sieht er vor allem noch bei Touristen, die nach Leipziger Vorbild gezielt den Zoo ansteuern sollen. Bislang kämen die Leute wegen des Mercedes-Museums oder einem Musical in die Stadt und besuchten dann eben auch die Wilhelma, so Kölpin. Gleichzeitig ist der Zoo in Stuttgart mit rund 2,3 Millionen Gästen jährlich - 2014 waren es sogar mehr als 2,4 Millionen - jener mit den zweitbesten Besucherzahlen bundesweit nach Berlin mit drei Millionen.

Neben dem Masterplan für die kommenden 20 Jahre hat Kölpin in diesem Jahr auch kurzfristige Projekte im Visier: Das Kleinsäuger- und Vogelhaus, in dem Asbest verarbeitet wurde, wird zugunsten eines Neubaus abgerissen, und die Anlage für die Schneeleoparden wird modernisiert - 2016 soll beides fertig sein. Für Ende 2015 ist zudem die Einweihung der neuen Wilhelma-Stadtbahnhaltestelle geplant. Sie wird direkt vor den Haupteingang verlegt - für Kölpin der positive Nebeneffekt der Bauarbeiten für den Rosensteintunnel. Auf Geburten dürfen sich die Besucher 2015 freilich auch freuen. Einige Tiere seien trächtig, bestätigt der 46-Jährige. Nur welche, das will er noch nicht verraten.

Eisbärin Corinna ist wohl nicht schwanger

Stichtag Wenn Eisbärin Corinna bis Ende Januar kein Junges zur Welt gebracht hat, dann hat der Besuch ihres Artgenossen Yoghi nicht gefruchtet. Der Eisbärmann war von März bis Oktober in der Stuttgarter Wilhelma untergebracht gewesen, inzwischen ist er in seinen Stammzoo in München zurückgekehrt. Mit Blick auf den Kalender sei es unwahrscheinlich, dass es geklappt habe, sagt der Wilhelma-Sprecher Harald Knitter. Im Frühjahr hatten Pfleger beobachtet, dass sich die beiden weißen Riesen nähergekommen waren, ob Corinna aber schwanger wurde, war nicht prüfbar. Hintergrund: Ein Eisbärenbaby wiegt bei der Geburt nur rund 600 Gramm, ein ausgewachsenes Tier aber 350 Kilo. Da sehe man eine Schwangerschaft nicht, sagt der Wilhelma-Chef Thomas Kölpin. Und ein Ultraschall sei nur unter Narkose möglich. Das lehne man jedoch ab, um potenziellen Nachwuchs nicht zu gefährden.

Verwandtschaft Corinna war schon mehrfach schwanger, doch nur der bekannte Wilbär hat überlebt.