Er sieht eigentlich ganz sauber aus, der Eugensplatz im Osten der Stuttgarter City. Keine Flaschen oder Coffee-to-go-Becher sind auf der geschotterten Fläche zu sehen. Dennoch hat sich an diesem frühen Samstagnachmittag mehr als ein Dutzend Leute verabredet, um den Eugensplatz und seine Umgebung aufzuräumen. Putzete nennen das die  Schwaben, Cleanup nennt es Thomas Venugopal. Er hat die Aktion organisiert und die Teilnehmer über soziale Medien zum Mitmachen aufgerufen.

Was treibt Menschen dazu, sich an einem trüben Januartag bei Temperaturen knapp unter Null mit Arbeitshandschuhen, Müllgreifer und leuchtend orangefarbenen Eimern auf die Suche nach Abfall zu machen? „Ich rege mich immer auf, wenn ich sehe, wie achtlos Sachen weggeworfen werden und will nun mal selbst etwas tun,“ sagt Milena. Die junge Frau aus Stuttgart ist zusammen mit einer Freundin an den Eugensplatz gekommen. Und Vera, die auf Facebook vom Cleanup erfahren hat,  hat ihre Enkelin Fabienne mitgebracht. Die stört es, wenn überall Müll rumliegt, erzählt die Oma. Und da sei so eine Aktion gut, um die Kinder für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt zu sensibilisieren.

Das will auch Carmen, die extra aus Leonberg nach Stuttgart gefahren ist. Die Erzieherin hat auch schon selbst mit Schulkindern Aufräumaktionen gestartet und das Thema Müll und dessen Weg bis in die Meere mit ihnen besprochen. Sie hofft, nun auch in ihrer Heimatstadt ein Cleanup anstoßen zu können.

Denn das Aufräumen auf dem Eugensplatz ist keine einmalige Sache. Venugopal hat Cleanup im vergangenen Sommer mit einer Putzete auf dem Marienplatz gestartet. Inzwischen ist ein ganzes Netzwerk daraus geworden. Nicht nur in Stuttgart, auch in einem Dutzend weiterer Städte wird regelmäßig ehrenamtlich Müll beseitigt.

Und es wird ebenso regelmäßig auf der Homepage und in Social-Media-Kanälen von Cleanup über die Aktionen berichtet. Da setzt Thomas Venugopal, der sein Geld im Onlinemarketing verdient, sich ganz klar vom analogen Vorbild ab. „Die Putzete findet meist im stillen Kämmerlein statt.“ Er will aber mit seinen Aktionen in die Öffentlichkeit, will damit ein Umdenken beim Umgang mit Müll erzeugen, aber ohne zu belehren. „Wenn hier jemand vorbeikommt und etwas wegwirft, nicht kritisieren, sondern einfach aufheben“, rät er seinen Mitstreitern am Eugensplatz.

Informieren, nicht kritisieren

Venugopal setzt lieber auf Information und positive Ansprache, will den Leuten beispielsweise deutlich machen, dass eine Zigarettenkippe bis zu 40 Liter Grundwasser verunreinigen kann. Und die Teilnehmer sollen sich durch die Öffentlichkeitsarbeit gewürdigt fühlen, damit sie Bekannte zum Mitmachen animieren.

Er selbst hat den Anstoß zum Cleanup in Thailand bekommen. Dort sei es üblich, am Strand den Müll wegzuräumen. Und das hat seinen Blick für das geöffnet, was in Stuttgart so alles herumliegt. Und das lässt ihn seither nicht mehr los. Rund drei Stunden täglich investiert er inzwischen in das Netzwerk. Und auch vor Ort ist er ganz bei der Sache. „Diese Teile finden wir derzeit zu Tausenden“, schimpft er und reckt ein kleines graues Stück in die Höhe, dass von einer Silvesterrakete stammt und zwischen den Steinen auf dem Platz kaum zu sehen war.

Ganz so sauber, wie der Eugensplatz auf den ersten Blick wirkt, ist er dann doch nicht. Neben vielen kleinen Verpackungsresten, die zum Beispiel für Elstern gefährlich werden können, wie Carmen aus Leonberg weiß, finden sich auch einige größere Stücke in den Grünanlagen rund um die Eugenstaffel: Flaschen, Glasscherben, eine rostige Eisenstange und sogar eine komplette Mistgabel. Am Ende der Sammelaktion sind rund 80 Kilo Müll zusammengekommen, berichtet  Venugopal am gleichen Tag stolz auf der Homepage.

Infokasten


Aus dem Netzwerk soll ein Verein werden


Bis jetzt ist das Cleanup-Netzwerk noch ein loser Zusammenschluss von Aktivisten in verschiedenen Städten, doch schon bald soll ein eingetragener Verein daraus werden. Cleanup-Initiator Thomas Venugopal hofft, dann auch Spender für das Netzwerk gewinnen zu können. Man brauche beispielsweise Geld, um die Anliegen von Cleanup noch stärker bewerben zu können, etwa in sozialen Medien. Denn es geht  Venugopal nicht nur ums Aufräumen selbst, sondern auch darum in der Gesellschaft und auch der Wirtschaft eine Debatte über den Umgang mit Müll anzustoßen.

Weitere Infos gibt es im Internet auf www.cleanupnetwork.com. jüs

80


Kilogramm Müll haben die Freiwilligen bei der Putzete am Eugensplatz gesammelt. In den Tüten sind unter anderem Flaschen, eine Eisenstange und sogar eine Mistgabel gelandet.