Spätestens seit der Diskussion um Stuttgart 21 ist das Mineralwasservorkommen in Stuttgart und dessen Schutz in aller Munde: Um es frei von Schadstoffen zu halten und den Weg selbiger nachzuvollziehen, wurde in der Vergangenheit einiges unternommen. Das ist auch das Ziel des Projekts "Magplan", das noch bis Ende September läuft. Die Abkürzung steht für Managementplan zur Sicherstellung eines guten chemischen Grundwasserzustandes durch Vermeidung von Schadstoffeinträgen aus Altlasten. Bei dem Vorhaben wird der Weg des Wassers zu den Mineralquellen genauer untersucht, in der Folge entwickeln Geologen ein entsprechendes wissenschaftliches Modell.

Denn kaum eine andere Großstadt ist von der Natur so reich mit Mineralwasser versorgt worden wie Stuttgart. Bis zu 44 Millionen Liter entspringen täglich aus dem Bad Cannstatter und Berger Untergrund. Damit hat Stuttgart nach Budapest das zweitgrößte Mineralwasservorkommen Europas. Während das Mineralwasser früher in natürlichen Quelltöpfen - den Sulzen - ausfloss, wird es heute mit 19 Brunnen in verschiedenen geologischen Schichten gefasst.

Aber in Stuttgart ist wie in anderen Städten auch das Grundwasser erheblich durch von Menschen ausgebrachte Stoffe verdreckt. Großflächige Verunreinigungen insbesondere durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) erstrecken sich über mehrere Grundwasserstockwerke und letztlich auch auf das tiefe Mineralwasserstockwerk im Oberen Muschelkalk, dem in Bad Cannstatt und Berg die Mineralquellen entspringen. Und gerade auf diese Stoffe konzentrieren sich die Untersuchungen bei dem Projekt "Magplan", wie ein Sprecher der Stadtverwaltung berichtete. Das seien sehr mobile Stoffe, die im Grundwasser gelöst, im Untergrund über mehrere Kilometer hinweg transportiert werden. Sie seien in der Vergangenheit in der Metallindustrie zur Entfettung oder auch in chemischen Reinigungen eingesetzt worden.

Im Stuttgarter Talkessel sind den Angaben zufolge 186 Flächen bekannt, auf denen mit den besagten Stoffen umgegangen worden ist. Die Schadstoffe sind schon lange registriert - sie wurden bereits im Herbst 1983 in den Mineralquellen nachgewiesen. Für das Projekt musste in der Stadt nicht extra neu gebohrt werden. Denn: Es konnte auf eine sehr große Zahl an bestehenden Bohrungen, sogenannten Grundwasseraufschlüssen, zurückgegriffen werden, die in der Vergangenheit im Zuge standortbezogener Altlastenerkundung oder Baugrunderkundungen eingerichtet wurden, wie der Sprecher der Stadt auf Anfrage weiter mitteilte.

Insgesamt mussten nur 15 neue Bohrlöcher erstellt werden. Eine 80 Meter tiefe Bohrung wird nun im Januar beginnen, berichtete der Sprecher. Im Herbst stand ein Bohrfahrzeug auch in der unteren Königstraße auf der Höhe des Kaufhofs. Dieser Versuch scheiterte aber, da die Spezialisten keinen Weg in die Tiefe durch das Gewirr von Kabeln und Leitungen fanden.

"Magplan" kostet rund 3,4 Millionen Euro und wird von Stadt, Land und Europäischer Union finanziert. Mit Ausnahme einer Bohrung seien die Felduntersuchungen weitgehend abgeschlossen. Nun würden die Daten ausgewertet. Unabhängig von diesem Projekt laufen seit vielen Jahren an Altstandorten Sanierungsmaßnahmen, bei denen verunreinigtes Grundwasser gefördert und gereinigt wird. Mit den laufenden Maßnahmen sind seit 1984 mehr als 25 Tonnen an LCKW entfernt worden, so der Sprecher. "Magplan" diene auch dazu, die laufenden Sanierungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu hinterfragen und gegebenenfalls zu optimieren.

Anfänge zwischen Gärtringen, Sindelfingen und Renningen

Ursprung Das Mineralwasser hat einen langen unterirdischen Weg hinter sich. Das Quellwasser wird laut Geologen durch versickernde Niederschläge im Gebiet des Oberen Gäus zwischen Gärtringen, Sindelfingen und Renningen neu gebildet. Das sogenannte Karstgrundwasser gelangt in einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren allmählich nach Osten oder Nordosten unter dem westlichen Filderraum und dem Stuttgarter Talkessel durch nach Bad Cannstatt.