Stuttgart Mehrwert der Narren-Freiheit

RAIMUND WEIBLE 14.02.2015
Ja, ja es gibt Fasnet in Stuttgart. Und womöglich ist sie besser als ihr Ruf.

Die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen, die Schwarzen Störche oder die Schwarzen Husaren haben an sich gearbeitet. So dass man den Stuttgarter Narren unrecht tut, wenn man ihnen den alten Spruch von Thaddäus Troll um die Ohren haut. Er sagte, ein Leichenzug im Oberland, sprich im katholischen Oberschwaben, sei relativ lustiger als der Karnevalsumzug in Stuttgart.

Es dürfte auch nicht mehr statthaft sein, die Narren mit der Erkenntnis eines Carl Friedrich Freiherr von Fröschle aus Beutelsbach zu konfrontieren. Dem fiel, nachzulesen in Gerhard Raffs "Herr, schmeiß Hirn ra!", über das närrische Treiben ein, es passe zu Stuttgart "wie zwei Warzen ins Gesicht von der Brigitte Bardot". Eine Erkenntnis, die schon älteren Datums ist und daher überholt sein dürfte.

Dennoch: Es braucht wenig Mut, um zu sagen, dass Stuttgart im Vergleich mit anderen Städten närrisch nach wie vor unterentwickelt ist. Das sollte man positiv sehen. Gut daran ist, dass während der Vorfastenzeit die Obrigkeit im Stuttgarter Kessel relativ wenig zu leiden hat. Was müssen die Schultes draußen im Land für Zumutungen über sich ergehen lassen! Sie stehen absolut in der Pflicht, unter Missachtung des eigenen Intellekts dusslige Reime für den Empfang der Narren zu dichten. Nach der Zwangsschunkelei in den Prunksitzungen müssen sie anderntags den Orthopäden aufsuchen.

Die Stuttgarter Oberhäupter hingegen bleiben, Ausnahmen gibt es, von närrischen Attacken verschont. Sie verfügen über das Privileg, schaffen zu dürfen. Das bringt der Stadt hoffentlich erheblichen Mehrwert. Auf den ein rechter Stuagarter nicht verzichten will.