Einzelhandel Luxuslabels vom Grabbeltisch

Hat vor drei Wochen an der Königstraße eröffnet: „Saks off 5th“.
Hat vor drei Wochen an der Königstraße eröffnet: „Saks off 5th“. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Barbara Wollny 31.07.2017

Müssen Schnäppchenjäger nicht mehr nach Metzingen in die Outletcity, wenn sie Markenbekleidung, Schuhe, Taschen oder Heimtextilien von Top-Designern mit Preisabschlägen kaufen wollen? In der vor knapp drei Wochen neu eröffneten Stuttgarter Filiale des City-Outlets „Saks Off 5th“ in der Königstraße liegt eine Balenciaga- Handtasche aus rötlichem Leder mit Goldreißverschlüssen für 1200 Euro im Regal, 400 Euro unter der unverbindlichen Preisempfehlung. Eine graue Lederhandtasche des italienischen Luxuslabels Bottega Veneta kostet 1199 statt 2700 Euro, ein kleines, eckiges Mulberry-Täschchen ist für 200 statt 700 Euro zu haben.

Die hohen Räume, in denen vorher die Karstadt-Sportarena zu Hause war, verbreiten mehr Kaufhausatmosphäre als das Flair einer Edelboutique. Dafür verspricht das Unternehmen, das in den USA und Kanada seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt ist und in Europa jetzt die ersten Filialen eröffnet, Preisnachlässe zwischen 30 und 60 Prozent und die Auswahl unter 700 Luxusmarken.

Auf die Frage, wie das Geschäft in Stuttgart angelaufen ist, bekommt man von einem Unternehmenssprecher eine eher verhaltene Antwort. Am Eröffnungstag habe es lange Schlangen am Einlass gegeben und auch jetzt – knapp drei Wochen nach dem Start – „sei das Feedback der Kunden sehr zufriedenstellend“.

In direkter Konkurrenz zu anderen Luxusanbietern sieht man sich zumindest offiziell nicht. Filialen von Longchamp, Boss, Louis Vuitton oder Escada liegen alle in fußläufiger Entfernung. Dort gäbe es die jeweils komplette aktuelle Kollektion und nicht nur Einzelstücke aus Kollektionen der Vorjahre, sagt der Sprecher.

Zur Belebung der Einkaufsmeile Königsstraße, die in Rankings zuletzt schwächelte, wird die neue Filiale auf alle Fälle beitragen, ebenso wie die für den Herbst geplante Eröffnung eines weiteren Primark, der jedoch mit extremen Billigpreisen punkten will. Insgesamt wird auch durch zusätzliche neue Läden aber nicht mehr verkauft: Handelsexperten erwarten, dass der ohnehin schon hohe Verdrängungswettbewerb im Textilhandel weiter zunehmen wird.