Flüchtlinge Lotsen sollen Flüchtlingen durchs Behördendickicht helfen

Die Integrationslotsen erklären dem Ehepaar Jebril aus Nigeria den Qualipass.
Die Integrationslotsen erklären dem Ehepaar Jebril aus Nigeria den Qualipass. © Foto: Caroline Holowiecki
Caroline Holowiecki 05.09.2017

Mehr als 7500 Flüchtlinge aus 57 Nationen leben aktuell in 120 Stuttgarter Unterkünften. Damit die Integration künftig schneller klappt, hat die Verwaltung zwei neue Konzepte vorgestellt. Das eine ist im Land schon seit 15 Jahren in der Berufsorientierung bewährt: der Qualipass von der Jugendstiftung Baden-Württemberg. In einer Mappe werden alle Bescheinigungen über Praktika und Kenntnisse festgehalten.  Jetzt gibt es das Pendant für Flüchtlinge – in vereinfachter Sprache und mit angepassten Texten. Das soll auch die Jobchancen erhöhen. „Integration braucht Koordination und Struktur“, sagte Sozialbürgermeister Werner Wölfle. Die zwei Euro pro Stück trägt die Stadt, 4000 Exemplare werden nun gedruckt und verteilt. Auch andere Kommunen haben Interesse am Asyl-Qualipass signalisiert. Eine Karlsruhe-Version gibt es schon.

 Bereits 2016 ist die Verwaltung in der Asylarbeit einen großen Schritt weitergekommen, nämlich mit der Einrichtung des Dienstleistungszentrums für Flüchtlinge. Im früheren Hoechst-Firmengebäude wurden alle wichtigen Anlaufstellen zusammengefasst. Von Oktober an werden dort auch die ersten Integrationslotsen parat stehen – ein Pilotprojekt.

 Ihre Namen wollen die beiden Syrer, die vor rund zwei Jahren Stuttgart erreicht haben, nicht in der Zeitung lesen, ihre Lebensläufe aber lassen erkennen, was sie für den Job qualifiziert. Sie hat vor ihrer Flucht englische Literatur und als Zweitsprache Französisch studiert, er, der in Deutschland sein drittes Pharmazie-Staatsexamen ablegen möchte, spricht Kurdisch, Arabisch, Englisch, Türkisch und Deutsch. Das Duo soll dolmetschen, vermitteln und mitunter kryptische Begriffe erläutern. „Wohnsitzauflagen zu erklären, ist eine große Herausforderung, das gelingt auch uns nicht immer“, bekannte Wölfle. Erfahrungen haben die zwei im Jobcenter, wo ihre Stellen auch angesiedelt sind, schon gesammelt. „Viele bekommen von ihren Ansprechpartnern Zettel und gestehen danach, dass sie nicht verstanden haben, was sie damit machen sollen“, so die neue Lotsin. Sollte sich das Modell bewähren, sind weitere Lotsen-Stellen geplant.