Literatur Leonie Müller genießt ihr Leben in vollen Zügen

Immer auf Achse: Leonie Müller.
Immer auf Achse: Leonie Müller. © Foto: Gaby Gerster
Stuttgart / Nadja Otterbach 01.09.2018

Sie ist wohl eine der bekanntesten Bahnfahrerinnen im Land: Leonie Müllers Geschichte ging 2015 durch die Medien. Die Studentin kündigte nach einer Auseinandersetzung mit ihrer Vermieterin ihre Wohnung in Stuttgart und blieb fortan ohne festen Wohnsitz.

Die damals 23-Jährige kaufte sich eine „Bahncard 100“, packte ihr Hab und Gut in einen 40-Liter-Rucksack und hatte über ein Jahr lang freie Fahrt auf allen Strecken. Rund 340 Euro im Monat ließ sie sich das Experiment kosten. Darüber ist nun ein Buch bei Fischer erschienen  mit dem Titel: „Tausche Wohnung gegen Bahncard – vom Versuch, nirgendwo zu wohnen und überall zu leben.“Rund 25 Stunden in der Woche verbrachte Leonie Müller auf Schienen, legte in sieben Tagen bis zu 2000 Kilometer zurück.

Sie studierte weiterhin in Tübingen Medienwissenschaft und besuchte Freunde und Familie, bei denen sie sich häufig über Nacht einquartierte. Ihr Buch ist kein reiner Erlebnisbericht, sondern sie stellt darin auf humorvolle Art viele kluge Fragen: Muss man Alltag und Abenteuer trennen? Warum hat der Begriff Heimat keinen Plural? Und wo ist der Ernst des Lebens so plötzlich hergekommen?

Mittlerweile ist Leonie Müller 26 Jahre alt, schreibt an ihrer Ma­sterarbeit und hält Vorträge über Mobilität. Im Herbst geht sie auf Lesetour.

Eine Wohnung hat sie momentan nicht, viel lieber reist sie weiterhin mit ihrer „Bahncard 100“ durchs Land. Eines Tages sesshaft zu werden passt (noch) nicht in ihre Vorstellung vom Leben, dennoch sei eine Rückkehr nach Stuttgart, wo sie ab 2011 nach dem Abi wohnte, nicht ausgeschlossen. „Ich mag die Stadt, bin nach wie vor oft hier.“ Sie könne sich vorstellen, in die Landeshauptstadt zurückzukehren, mit ihrem Freund, der aus Böblingen stammt. Bis es so weit ist, genießt sie ihre Freiheit – in vollen Zügen, versteht sich.

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