Justiz Lehrerin stellt Strafanzeige gegen Polizisten

Stuttgart / dl/epd 13.07.2018

22 Stunden wird die Lehrerin A.S. von Beamten der Stuttgarter Polizei festgehalten – für sie ein traumatisches Erlebnis. Nachdem es aus ihrer Sicht keine Entschuldigung gab, hat ihr Anwalt nun Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung im Amt, Nötigung und Beleidigung gestellt. „Der Druck musste jetzt erhöht werden“, sagt der Freiburger Rechtsanwalt Frank-Ulrich Mann.

  Der Fall ging bis zum Petitionsausschuss des Landtags: Der Lebensgefährte der jungen Frau wird am 14. Februar 2016 festgenommen, weil er ein polizeigesuchter Versicherungsbetrüger ist. Ein Schock für A.S., die davon nach eigener Aussage nichts wusste. Doch auch sie, gegen die kein dringender Tatverdacht vorliegt, wird vom 14. auf den 15. Februar 22 Stunden ohne richterlichen Beschluss festgehalten, heißt es in den Dokumenten des Anwalts, die dieser Zeitung vorliegen. Die mehrfache Bitte der Inhaftierten, einem Haftrichter vorgeführt zu werden, sei mit der Begründung abgelehnt worden, dass sonntags kein Richter da sei. Erst am Montag sei sie nach einer schlaflosen Nacht entlassen worden. Bereits am Tag darauf seien die Ermittlungen gegen sie eingestellt worden.

Zwölf Tage in Behandlung

Wegen der „unrechtmäßigen Festnahme“ sei die damals 26-Jährige zwölf Tage in stationärer Behandlung gewesen, schreibt Mann in der Strafanzeige. Bis heute leide sie unter dem Vorgefallenen. Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat sei erschüttert. In einem Gedächtnisprotokoll berichtet A.S., dass sie in eine verdreckte Arrestzelle gesteckt worden sei. Dort erklärte ein Polizist ihr, dass man auf ihrem Konto viel Geld gefunden habe. Da sie neben dem deutschen auch einen Schweizer Pass habe, fürchte man, dass sie sich mit dem Geld über die Grenze absetzen wolle. Sie müsse bleiben. Den Umgang der Polizisten mit ihr empfindet A.S. als belastend.

Zur Vermittlung schaltete die Familie irgendwann Landespolizeipfarrer Bernhard Goetz ein. Die Sache sollte intern geklärt werden – Vater und Schwester der Betroffenen sind selbst Polizisten. Das Ergebnis des Vermittlungsversuchs stellte die Familie jedoch nicht zufrieden. „So ein Verhalten geht nicht, auch wenn es meine Polizei ist“, sagt Goetz.

Der Petitionsausschuss hat sich mittlerweile zum dritten Mal mit der Sache befasst und sich entschieden, die Betroffene auf den Rechtsweg zu verweisen, wie die Vorsitzende Beate Böhlen gestern mitteilte. Rechtsanwalt Mann will seiner Mandantin raten, per Zivilklage Schadensersatz zu erstreiten. Die Stuttgarter Polizei war gestern bis Redaktionsschluss nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

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