Regenfest ist er schon mal, der erste E- Bürgerbus für das Land Baden-Württemberg. Bei der offiziellen Schlüsselübergabe am Freitagmittag auf dem Wilhelmsplatz goss es ununterbrochen. Deshalb nahmen Passanten und Interessierte den zum Elektrofahrzeug umgerüsteten Mercedes Sprinter nur wenige Minuten in Augenschein.

Der "e-Bürgerbus" ist ein Pilotprojekt. Denn über den Einsatz elektrischer oder Bussen mit Hybridantrieben gibt es bislang kaum Erfahrungswerte. Diese soll das Projekt jetzt liefern. Leicht war es nicht, den Plan umzusetzen. "Es war ein nervenaufreibender Kraftakt, den Bus auf den Weg zu bekommen", sagte Rainer Gessler von der Geschäftsstelle des Programms "Nachhaltig mobile Region Stuttgart" (NAMOREG). Er vertrat den verhinderten Verkehrsminister Winfried Hermann. Ein öffentliches Beförderungsmittel, das rein auf E-Mobilität beruhe, sei ein Novum in der Region. 310 000 Euro habe das Land dafür lockergemacht. Der Bus soll während der Testphase in Ebersbach an der Fils, Salach, Uhingen und Wendlingen am Neckar fahren. Am Steuer werden, wie in Bürgerbussen üblich, Ehrenamtliche Platz nehmen.

"Wir sehen uns als Ideengeber für den öffentlichen Nahverkehr in der Region", sagte Martin Schiefelbusch, der das Kompetenzzentrum der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg leitet. Dessen Aufgabe sei es, Kommunen und Regionen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. "Wir unterstützen Initiativen mit Praxisworkshops und Fachveranstaltungen", sagte Schiefelbusch.

Bürgerbus-Konzepte gebe es schon seit 2003, mittlerweile fänden solche Konzepte immer größere Verbreitung. Dass die neue Landesregierung die Ideen des Zentrums ernst nimmt, freut Schiefelbusch.

Projektleiter Fabian Hantsch von der Universität Stuttgart betonte, wie wertvoll das Unterfangen für die Zukunft sein könne. "Wir durchlaufen alle Schritte, von der Fahrzeugbeschaffung bis hin zur Zielbewertung", so Hantsch. Danach wolle man eine realistische Prognose stellen: Taugt das Konzept "e-Bürgerbus" oder eben nicht? Ladestationen sollen an zentralen Wegmarken der Strecken angebracht werden, um die Versorgung mit Strom zu gewährleisten.

Problematisch ist laut Hantsch, dass es für die Busse mit dem leisen Motor noch keinen Serienmarkt gebe: "Deshalb haben wir den Sprinter umgerüstet." Sechs Sitze hat er. "Das sind wenig Sitze, das hat mich schon überrascht", sagt ein Bürger. Das Gewicht sei bei E-Autos natürlich ein Problem, genauso wie die Reichweite, gibt Rainer Gessler zu. Da Ehrenamtliche bei den Bürgerbussen am Steuer sitzen, dürften aber die 3,5 Tonnen nicht überschritten werden. Die Verantwortlichen aber sehen das große Ganze. Gessler: "Wir wollten jetzt trotz aller Schwierigkeiten handeln."

Ehrenamtliche Fahrer

Ergänzung Bürgerbusse sollen den bestehenden öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) ergänzen und zusätzliche Linien anbieten. Die Besonderheit: Die Betreiber der Busse arbeiten ehrenamtlich. Im Land gibt es 40 Bürgerbusse. Die Nachfrage ist vor allem im ländlichen Raum groß. Denn dort ist das ÖPNV-Angebot kleiner. Zudem leben viele alte Menschen auf dem Land, die auf den ÖPNV angewiesen sind.

TJB