Reisen Landesflughafen rüstet sich für Rekordsommer und Turbulenzen

Selbst beim Einstieg ist noch nicht sicher, dass der Flieger auch abhebt.
Selbst beim Einstieg ist noch nicht sicher, dass der Flieger auch abhebt. © Foto: Flughafen Stuttgart
Von Barbara Wollny 24.07.2018

Fluglotsenstreiks, Wetterkapriolen, technische Pannen, die Pleite von Air Berlin, lange Warteschlangen  bei der Sicherheitskontrolle – die Flugindustrie hat mit vielen Herausforderungen zu kämpfen, was die Passagiere deutlich zu spüren bekamen. Doch das hält kaum jemanden vom Fliegen ab. Die Zahl der Passagiere, die vom Landesflughafen abheben, steigt rapide.

In den ersten sechs Monaten wurden hier 5,3 Millionen Fluggäste gezählt, sieben Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahrs. Bis Ende 2018 rechnet der Flughafen Stuttgart mit elf Millionen Passagieren. Besonders viele wollen dieses Jahr per Flieger in den Urlaub reisen. Auf dem Stuttgarter Flugplan verdrängen am Ferienbeginn die Flüge nach Spanien und in die Türkei Berlin als häufigstes Ziel.  Zwei Millionen Fluggäste werden allein in den Ferienwochen erwartet. Gleich der Freitag, der zweite Ferientag, wird mit über 40 000 an- und abreisenden Passagieren eine Rekordmarke setzen. Es wird nicht der einzig volle Tag bleiben. „Die ganzen Ferien über bis Anfang September gibt es in jeder Woche ein oder zwei Tage, an denen wir einen ähnlich großen Ansturm von Reisenden erwarten“, sagt Beate Schleicher vom Landesflughafen. Noch zeigt sie sich zuversichtlich, dass in den Ferien „alles vom Hof gehen wird“.

Denn der Katastrophenmonat Mai mit einer Rekordzahl an annullierten Flügen und massiven Verspätungen sitzt allen in den Knochen. Die Flugbranche entschuldigte sich mit ganzseitigen Anzeigen zum Thema „Auch der Himmel stößt mal an seine Grenzen“ bei den Kunden. Man arbeite hart daran, Fliegen wieder zu einem angenehmen Reiserlebnis zu machen. „Im vor uns liegenden Sommer werden die Maßnahmen noch nicht ihre volle Wirkung entfalten. Es wird kurzfristig weiter zu Unregelmäßigkeiten kommen“, heißt es jedoch weiter warnend in der Anzeige.

Auch in Stuttgart war im ersten Halbjahr jedes fünfte Flugzeug verspätet, die Zahl der Komplettstornierungen von Flügen doppelt so hoch wie im Vorjahr. Und schon diese Woche sorgt Billigflieger Ryanair für neue Turbulenzen. 600 Flüge müssen gestrichen werden. Piloten und Flugbegleiter streiken in vielen Ländern für bessere Gehälter. In Stuttgart sind jedoch vermutlich nur fünf Flüge betroffen.

 Arina Freitag, Geschäftsführerin für das Fluggeschäft in Stuttgart, möchte verhindern, dass ihre Fluggäste lange warten müssen. „Der Rekordsommer bringt für alle Systempartner Herausforderungen mit sich. Wir tun alles, damit unsere Passagiere möglichst pünktlich und zuverlässig in den Urlaub starten können“. Allerdings sieht auch Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer im Bereich Sicherheitskontrollen Handlungsbedarf (siehe Infobox).

 Da jeder Flug am Boden beginnt, werden am Flughafen Stuttgart deshalb alle Check-in Schalter und  Gepäck-Kontrollspuren in Betrieb sein. Die Bundespolizei führt die nötigen Passkontrollen in voller Stärke durch. Erstmals können Reisende auf der Webseite des Flughafens erfahren, mit welchen Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen zu rechnen ist. Außerdem wird intensiv darüber informiert, was ins Handgepäck darf, damit Flüssigkeiten, Scheren oder Messer bei den Kontrollen nicht zeitraubend aussortiert werden müssen. Spätestens zwei Stunden vor Abflug sollten die Fluggäste am Airport sein. Wer einen Kinderwagen, eine Tauchausrüstung oder Golftaschen aufgeben will, sollte dafür noch einen weiteren Zeitpuffer einplanen.

Mit der S-Bahn und Bussen ist der Flughafen öffentlich gut erreichbar. Ängste, bei der Anreise mit dem eigenen Fahrzeug keinen Parkplatz zu bekommen, sind unbegründet, meint Schleicher. Da in den Ferien auch zusätzlich 8000 Messeparkplätze zur Verfügung stünden, seien mit insgesamt 18 000 Plätzen genügend Kapazitäten vorhanden. Eng könnte es erst wieder im September werden, wenn parallel der Messebetrieb anläuft und die Spätsommerurlauber anrollen. Über ein Online-Buchungssystem gibt es für Fluggäste Spezialtarife für das Parken.

Infokasten
In anderen Länder geht die Kontrolle schneller

Kritik Der Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens pocht auf Veränderungen, um Warteschlangen zu verkürzen. „Wir stellen fest, dass der Durchsatz pro Kontrollspur in anderen Länden höher ist als bei uns in Deutschland“, sagte Walter Schoefer der „Stuttgarter Zeitung“. „Warteschlangen sind für die Fluggäste misslich – das kann auf Dauer nicht so bleiben.“ Der Flughafen möchte bei der Ausschreibung in das Verhältnis von Bundespolizei und Sicherheitsdienst mitwirken, sagte Schoefer.

Wachstum Weil mit steigendem Betrieb am Flughafen gerechnet wird, gibt es Überlegungen für den Bau von 2500 zusätzlichen Parkplätzen und eines neuen Terminals. Der Aufsichtsrat wird im Herbst prüfen, ob das Terminal 4 bis 2025 durch ein neues Gebäude ersetzt werden kann. Das jetzige Gebäude wurde 1955 als Flugzeughangar erstellt und um die Jahrtausendwende provisorisch zum Terminal umgerüstet. bw/dpa

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