Luftbelastung Land plant Busspur für B 14

Die Stadt ist schon dabei, auf dem äußeren Teil der Cannstatter Straße Platz für die Expressbus-Spur zu schaffen. Im Bereich stadteinwärts vom Neckartor müsste dazu eine Spur des restlichen Verkehrs wegfallen.
Die Stadt ist schon dabei, auf dem äußeren Teil der Cannstatter Straße Platz für die Expressbus-Spur zu schaffen. Im Bereich stadteinwärts vom Neckartor müsste dazu eine Spur des restlichen Verkehrs wegfallen. © Foto: Ferdinando Iannone
Von Daniel Grupp 25.06.2018

Eine eigene Busspur auf der B 14, die auch von Elektrofahrzeugen genutzt werden darf, soll dafür sorgen, dass im Bereich Neckartor dauer­haft die Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten werden. Nach einem Bericht des „Spiegel“ plant die grün-schwarze Landesregierung eine solche Spur. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins geht es um jene der bislang sechs Spuren, die stadtauswärts am nächsten an der bundesweit bekannten Messstation vorbeiführt. In einer zunächst dreimonatigen Testphase erhofft man sich, die dort gemessene Konzentration von Stickstoffdioxid um bis zu zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu senken.

Koalitionskreise bestätigen die Überlegungen. Zumindest in Teilen der Regierung wird bezweifelt, dass ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge bis zur Schadstoffkategorie 4 ausreichen wird, die Stickoxidbelastung entscheidend unter die Grenzwerte zu drücken. Es gebe einfach zu viele Euro-5-Diesel, die nur auf dem Papier die Grenzwerte, einhalten, die für sie gelten, heißt es in Regierungskreisen. „Ein Problem ist die große Masse, weil sie einfach nicht der Realitität entsprechen.“

Koalition sucht Position

Allerdings habe die Landesregierung noch keine abschließende Haltung gefunden. In der Koaltion werde das Thema noch diskutiert. Nach Informationen dieser Zeitung könnten in dieser Woche eine Entscheidung fallen.

„Wir sind informiert, dass das Land eine solche Busspur plant. Die Maßnahme stößt bei der Stadt auf Skepsis“, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei verfolgt die Stadt auf einem Teil der Neckarstraße ganz ähnliche Pläne. Ab 15. Oktober soll eine Expressbuslinie die Innenstadt mit Bad Cannstatt verbinden. Dazu erhalten die Busse eine zusätzliche Spur, indem auf der B 14 zwischen dem Schwanenplatztunnel und dem Neckartor auf etwa 800 Meter Länge ein Grünstreifen durch eine Busspur ersetzt wird. Geplant ist, dass die schnellen Busse der künftigen Linie X 1 auf dieser Spur morgens stadteinwärts und abends stadtauswärts fahren dürfen. Auf diese Weise würden die Busse dem jeweils stauträchtigsten Verkehrsaufkommen ausweichen.

Allerdings nur für 800 Meter. Ab dem Bereich Neckartor wird die B 14 enger. Die Busse müssten sich wieder in den regulären Verkehr einfädeln. „Die Busse haben da kein Vorrecht und stehen im Zweifel im Stau“, heißt es aus Koalitionskreisen. Ob dies funktioniert soll nun getestet werden.

In der Landesregierung wird indes eine Verlängerung der Busspur diskutiert, so dass Busse und eventuell Elektrofahrzeuge komplett am Stau vorbeifahren könnten. Aus Sicht eines Regierungsvertreters könnten Autofahrer zum Umstieg animiert werden, wenn sie im Stau stehen und dabei von schnellen Bussen überholt werden. Dazu würde aber im engeren Teil der B 14 beim Neckartor der „normale“ Verkehr eine Fahrspur verlieren.

Neue Probleme drohen

Das könnte am städtischen Schadstoff-Brennpunkt zu neuen Problemen führen: „Aus unserer Sicht ist vor allem fraglich, ob der gewünschte Effekt einer Reduzierung der Stickoxid-Belastung eintritt“, sagte der Sprecher der Stadt.  Der Effekt könnte durch zusätzliche Staubildungen in Folge dieser Maßnahme konterkariert werden. Deshalb empfehle es sich, eine solche Maßnahme zunächst gutachterlich zu untersuchen. In den Plänen der Landeshauptstadt war bisher auch nicht vorgesehen, auf den Expressbuslinien Elektrofahrzeuge zuzulassen.

Infokasten
Antworten aufs Gerichtsurteil gesucht

Das Land arbeitet an Plänen, um auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Verstoß gegen die EU-Schadstoffgrenzen zu reagieren. Die Koalitionsparteien haben bisher noch keine einheitliche Position gefunden. Besonders umstritten sich Fahrverbote für Dieselfahrzeuge mit den Euronormen 3 und 4. Sie gelten als sehr wahrscheinlich.

Die Luftbelastung ging in Stuttgart in den vergangenen Jahren zurück. Dennoch werden nicht alle Grenzwerte eingehalten. Überhöht ist die Stickoxidbelastung am Neckartor. 

Die Expressbusse sollen ab 15. Oktober vom Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt in die Innenstadt fahren. Über den City-Ring geht es dann wieder zurück nach Cannstatt. Die X-1-Linie soll einen 5-Minuten-Takt erhalten. dgr

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