In meterhohen roten Buchstaben läuft der Countdown für den Moment, auf den 11 000 Fans in der Stuttgarter Schleyerhalle warten. Mit der Null fällt das Tuch, das die Bühne verdeckte und Cro, der HipHop-Künstler mit der Pandamaske, erscheint, auf einem Raumschiff stehend. Er performt seinen ersten Song des Abends „Fkngrt“ (gesprochen: fucking great) von seinem neuen Album „Tru“. Die Platte orientiert sich stärker an klassischen HipHop-Elementen und lässt poppige Songs wie auf den bisherigen Alben eher vermissen.

Cro liefert von Anfang an eine stimmige Show ab, die vor allem durch das Bühnenbild besticht: Beim zweiten Song wird klar, dass Cro nicht auf einem Raumschiff steht, sondern auf einer eckigen Nachbildung seiner tierischen Maske aus geometrischen Flächen. Lied für Lied ändert sich das Äußere des Aufbaus durch Beamer-Projektionen. Zusammen mit der Videoleinwand im Hintergrund entstehen so eine Mondlandschaft, ein Flammeninferno oder eine surreale Lichtwelt, in der Keyboards über Videowand und Maske fliegen.

Trotz Cros neuem Stil kommen an diesem Abend auch Fans seiner poppigeren Hits auf ihre Kosten. „Bad Chic“, „Du“, „Einmal um die Welt“ und „Traum“ sind genauso Pflicht wie „Easy“, einer seiner ersten erfolgreichen Songs. Die Mitsing-Stücke kommen denn auch besser an als einige der musikalisch interessanteren und komplizierteren neuen Lieder.

Unterstützt von einem Schlagzeuger, einem E-Pianisten, zwei Background-Sängerinnen und einem Mann am DJ-Pult kombiniert der Künstler gefühlvolle Melodien und Texte ohne Widerspruch mit satten Basslinien und harten Drums. Dass es dem Mann unter der Pandamaske um das Leben im Moment geht, beweist er bei „Slow down“ nicht nur mit Textzeilen wie „Du und ich, gepaart mit der Stille; Halte inne, ich hör‘ auf meine Sinne“: Ein Mädchen, das er auf die Bühne holt, will mit dem Smartphone filmen – der Künstler nimmt es ihr kurzerhand weg.

Grandiose Show

In dem Song setzt sich der Rapper aus Stuttgart dann sogar selbst ans Klavier, immer wieder singt er auch. In „Baum“ vom neuen Album zieht sein Leben kurz vor einem Autounfall an seinem inneren Auge vorbei. Auch hier begleitet er sich selbst mit der Gitarre und singt. Für den Song „Meine Gang“ holt Cro dann seinen langjährigen Crew-Partner Danju auf die Bühne, an den er für „Mittelfinger an die Cops“ übergibt.

Die letzte Zugabe des Pandas ist zugleich krönender Abschluss. „Unendlichkeit“ ist mit knapp 14 Millionen Aufrufen auf Youtube eines der erfolgreichsten Lieder von Cros neuem Album und wohl das persönlichste. In dem Text erklärt Carlo Waibel, so heißt der Künstler mit bürgerlichem Namen, dass es ihm nicht um Geld oder Erfolg geht, sondern darum, seinen Namen zu verewigen: „Irgendwann ist der Moment vorbei, und ich wollt’ eigentlich Unendlichkeit.“

Eine grandiose Show mit lässigen Ansagen, die allerdings pünktlich um 22 Uhr zu Ende ist – vielleicht nicht zuletzt mit Rücksicht auf die vielen Familien mit Kindern.